Volkstanz und Schuhplattler

Der Sachausschuss Volkstanz und Schuhplattler unterstützt die Gauvorplattler, Gauvortänzer/Innen und Sachgebietsleiter ‚Volkstanz’ bei ihren vielfältigen Aufgaben in den verschiedenen Gauverbänden.

Dazu zählen u. a. die Vermittlung von Auftrittsmöglichkeiten im In- und Ausland, die Durchführung von Schulungen für Vorplattler und Vortänzer/Innen, die Organisation von überregionalen Verbands-Veranstaltungen (Gesamtbairisches Tanzfest mit Gaugruppen-Treffen, Wochenend-Tagungen für Gauvorplattler und Gauvortänzer/Innen mit kulturellem Rahmenprogramm in verschiedenen Regionen Bayerns etc.) sowie die Erstellung/Vermittlung von Dokumentationen zu Plattlern und Volkstänzen (Buch "Vom Achtertanz zum Zwoasteyrer", CD "Auf geht's zur Tanzprob'/ Auf geht's zur Plattlerprob'!" (mittlerweile vergriffen), Foto-CD/DVD vom Gesamtbairischen Tanzfest etc.).

Ein weiterer wichtiger Aufgabenbereich des Sachausschusses ist die Organisation der Mitwirkung von guten Plattler- und Tanzgruppen bei Großereignissen in Politik, Kultur und Sport wie z. B. die Eröffnungsfeiern der Olympischen Spiele in München 1972 und Montreal 1976 sowie der Fussball-WM 2006 in München, Auftritte in München bei der Fussball-WM 1974, IGA 1983, Dt. Katholikentag 1984, Dt. Turnerfest 1998, "200 Jahre Oktoberfest" 2010, Oide Wiesn München, Grüne Woche Berlin, Oide Wiesn Bürgerball im Dt. Theater in München, etc.

Volkstanz und Schuhplattler - überlieferte Tradition, gelebte Kultur!

Ansprechpartner

Stellvertreter

Florian Kreß

Trachtenverband Unterfranken Trachtenverein Röthlein

Spiesheimer Weg 13
97520 Röthlein

Mobil: 0175/5815408
E-Mail: florian.kress@trachtenverband.bayern

Vorsitzender

Matthias Wiesheu

Isargau
Staffelseer München

Mirabellenweg 3
81929 München

Mobil: 0176/62961600
E-Mail: matthias.wiesheu@trachtenverband.bayern

Schriftführerin

Hildegard Kallmaier

Gauverband I
D'Holzlandler Pleiskirchen

Abtstraße 21
80807 München

Telefon: 089-3595362
E-Mail: hildegard.kallmaier@trachtenverband.bayern
Geschichte des Schuhplattlers

Der Schuhplattler gehört zweifellos zu den markantesten bayerischen Ausdrucksformen. Das Wort Schuhplattler erklärt sich daraus, dass sich der Tänzer mit den Händen auf die Schuhe (richtiger auf die Schuhsohlen) schlägt. Seine "Erfinder" waren einfache Leute: Bauern, Jäger, Holzknechte.

Schwierig ist es den genauen Ursprung und die Geschichte des Schuhplattlers darzustellen. In der von einem Mönch des Klosters Tegernsee um 1050 gefassten Ritterdichtung "Ruodlieb" wird ein dörflicher Tanz beschrieben. Die darin enthaltene Schilderung von "Sprung und Handgebärde im Tanz" könnte tatsächlich auf eine frühe Form des Schuhplattlers hinweisen. Als 1838 die Kaiserin von Russland in Wildbad Kreuth zur Kur weilte, da ehrten sie die Einheimischen mit einer Tanzvorführung, die dem Schuhplattler schon sehr nahe kam. Der Bursch konnte sich während des Tanzes nach freiem Ermessen zur Landlermelodie bewegen, Figuren zeigen, springen, schnaggln und platteln, während sich sein Dirndl weiter im Takt drehte und erst zum Rundtanz von ihm eingeholt wurde. Das unreglementierte, freie Platteln nannte man das "bairisch" Tanzen.

Etwa von der Mitte des 19. Jahrhunderts an setzte sich die Vereinheitlichung der Schuhplattler-Tanzbewegungen durch. Das so genannte Gruppenplatteln kam auf. Am 15. Juli 1858 wurde im Oberland ein Schuhplattler-Tanz anlässlich einer Reise von König Max II durch das bayerische Gebirge aufgeführt. 1861 hat sich in Miesbach ein "Gemütlichkeits-Verein" gegründet der sich 1866 in "Schuhplattler-Gesellschaft" umbenannte. Joseph Vogl gründete 1883 in Bayrischzell den "Verein für Erhaltung der Volkstracht im Leitzachthale". Von diesem Zeitpunkt ab entwickelte sich das vereinsmäßige Platteln in den Trachtenvereinen.

Es gibt etwa 150 unterschiedliche Schuhplattlertänze und in dem Gebiet zwischen Königsee im Osten und Bodensee im Westen, zwischen Donau im Norden und Tiroler Grenze im Süden, in dem der Schuhplattler bodenständig ist, lassen sich noch landschaftliche Unterschiede feststellen. So ist im südöstlichen Oberbayern, etwa von Rosenheim bis Bad Reichenhall, mehr das exakte, strenge Schuhplatteln mit lautem Schlag und aufrechter Haltung üblich, im Oberland und dem restlichen Südbayern dagegen mehr das gemütliche Schuhplatteln auf dem Absatz und mit runderen, lockeren Schlägen zuhause. Beide Spielarten haben auf ihre Art ihren Reiz. Wo immer er gepflegt wird oder zu sehen ist, wird mit ihm unmittelbar bayerisches Brauchtum und urtümliche Lebensfreude verknüpft.

Gedanken zum Schuhplattler (von Sigi Götze)

Plattln und Drahn im Chiemgau-Alpenverband

Der Schuhplattler als kulturelle "Klammer"

Für die Anziehungskraft einer Region ist es von entscheidender Bedeutung, ob dem unvoreingenommenen Betrachter griffige, positiv besetzte und bildprägende "Mosaiksteine" übermittelt werden können, die für sich gesehen bereits ein freundliches Bild des betreffenden Gebietes ergeben.

Dazu zählen in erster Linie Darstellungen über bewährte Formen des Zusammenlebens, Stilelemente der Volkskultur aber auch bestimmte Lebensäußerungen, die auf gewinnende Charaktereigenschaften wie Lebensfreude, Musikalität, Toleranz oder Heimatverbundenheit der in ihr lebenden Bevölkerung abzielen und somit wenigstens punktuell Rückschlüsse auf den "Freizeitwert" in der betreffenden Umgebung zulassen. Bei nicht wenigen Völkern vereint der "landesübliche Tanz" die beschriebenen Attribute in geradezu idealer Weise. So wird gemeinhin mit "Samba" und "Paso Doble" südamerikanische Begeisterungsfähigkeit, mit dem "Sirtaki" griechische Gastfreundschaft und mit dem "Czardasz" ungarisches Temperament gleichgesetzt.

In Südbayern könnte der hier beheimatete "Schuhplattlertanz" als flächendeckende, kulturelle Klammer diese typisierende Rolle übernehmen, obwohl er durch seine überwiegende Vereinsgebundenheit mit den genannten Tänzen nicht direkt vergleichbar ist. Entkleidet man den Schuhplattler, diesen aus dem Paartanz hervorgegangenen Burschentanz mit Werbecharakter, seiner Versatzstücke aus dem "Tourismusgeschäft" so verbleibt im Kern ein auch im Zeitalter von "Rock" und "Pop" allenthalben faszinierender Ausdruckstanz. Er vereint in hohem Maße Attribute wie Geschicklichkeit, Eleganz und Rhythmusgefühl in sich, gepaart mit animierender Schlagkraft.

Das Bild vom schuhplattelnden Burschen stellt darüber hinaus eine direkte gedankliche Verbindung zum bayerisch-österreichischen Alpenraum her. Erwartungen oder Erinnerungen an bereichernde Sinneseindrücke in Mitten einer weitestgehend intakt gebliebenen Naturlandschaft gehen mit dieser Einschätzung einher. Dazu kommt, dass es den Akteuren selbst auch heute noch möglich ist, ein gerüttelt Maß an gehobenem Selbstvertrauen aus der exakten Beherrschung des Schuhplattlertanzes zu gewinnen, verbunden mit konkret erfahrbaren Wechselbezügen bis hinein ins Alltagsleben.

Professor Dr. Konrad Köstlin von der Uni Tübingen - Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft drückt es im Vorwort zu Franz Hegenbarts Buch "Auf geht's" so aus:"Ganz sicher aber ist die Beobachtung wichtig, dass insbesondere die Holzarbeiter, deren (Arbeits-) kraft ihr ganzer Stolz war, diese Kraft auch vorführen wollten. Dieser Stolz der Arbeiter, die kein anderes Kapital als eben ihre Körperkraft hatten mag den Charakter des Tanzes wohl nicht allein erklären...".

Zusätzlich und ursprünglich war es in erster Linie wohl das Bestreben des Burschen, allein die Aufmerksamkeit der anwesenden Dirndl zu erreichen. In späterer Zeit rückte die Fähigkeit, sich selbst, der eigenen Gruppe und wo möglich, einem dörflich oder städtisch geprägten Zuschauerkreis eine ausgewogene Mischung aus Musikalität, Körperbeherrschung, Schnellkraft und tänzerischer Präzision zu demonstrieren, in den Vordergrund. Insbesondere die zum Ende des 19. Jahrhunderts hin allerorten gegründeten Trachtenvereine waren es, die sich dieser Entwicklung und des Tanzes selbst annahmen.

In der Folge wuchs dem Schuhplattler auch im Bundesgebiet eine geradezu dominante Stellung unter den "landesüblichen" Tänzen zu. Neuschöpfungen entstanden und "eroberten" neben dem heimischen Tanzboden auch so manches "Parkett", das dafür alles andere als geschaffen war. Versuchungen , den Schuhplattlertanz zu instrumentalisieren , hat es in mancherlei Hinsicht gegeben. Trotzdem bleibt festzustellen, dass eine gediegene Plattlerdarbietung ohne störendes "Drumherum" zu allen Zeiten sowohl auf den "Gebirgsbewohner" selbst als auch auf den Menschen, der mit alpenländischem Brauchtum nicht oder nur wenig in Berührung kommt eine nur schwer zu leugnende Anziehungskraft ausübte und immer noch ausübt. Wer sich die Mühe macht und der Entstehungsgeschichte des Schuhplattlertanzes nachspürt wird allerdings eine Überraschung erleben. Er wird beim Vergleich mit anderen Brauchtumsarten feststellen, dass der Schuhplattlertanz ein relativ junges aber widerstandsfähiges "Brauchtumsgewächs" ist.

Geschichte des Dirndldrahn
Plattln und Drahn im Gauverband I

Sucht man nach den Ursprüngen des sich drehenden Dirndls, findet man die Ansätze hierzu im ursprünglichen Schuhplatteln als Werbetanz, in dem Drahn und Platteln untrennbar verbunden sind. So zitiert Prof. Horak Albert Czerninskys "Brevier der Tanzkunst" (1879) wie folgt:

"Es ist ein Ländler für nur ein Paar, wobei das Mädchen mit sittig gesenkten Augen still sich fortdreht, der Bursch indes sie umkreisend auf allerlei Weise seine Freude und Liebe ausdrückt. Er stampft mit den Füßen, klopft mit den Händen nach dem Takte der Musik auf Schenkel, Knie und Fußabsätze...".

Andere historische Texte liefert die bereits erwähnte Ritterdichtung "Ruodlieb" von 1050 und die Augsburger Allgemeine von 1859: "[...] wie eine surrende Spindel um sich selbst dreht [...] in der Mitte des Kreises springt der Bub"; eine Beschreibung, wie sie heute kaum besser passt.

Die gegenwärtige Form des Dirndldrahns entwickelte sich, wie das heutige Schuhplatteln, aus den Mitte der zwanziger Jahre aufgeblühten Vereinspreisplatteln. Dabei legt heute eine gute Dreherin in den südöstlichen Gauverbänden (Gauverband I, Chiemgau-Alpenverband, Bayerischer Inngau-Trachtenverband) besonderen Wert auf ihren Rock, der während des flotten Drahns auf den Zehen fast waagrecht liegt und deutlich einen Reif von 8 cm bis Handbreite erkennen lässt. In den anderen Gauverbänden, in denen das Dirndldrahn ebenfalls gepflegt wird, dreht die Tänzerin vorwiegend auf dem Schuh-Absatz und der Drahrock hat eine Glockenform.

Mit aufrechter Körperhaltung bewegt sich das Dirndl drehend zum Takt der Musik im Kreis und entfaltet die ganze Schönheit der Dirndltracht, ob Mieder- oder Volkstracht. Die vollendete Form des Dirndldrahns ruft bei jedem Zuschauer Bewunderung und Anerkennung hervor, und wer jemals einen Dirndlplattler - diese zusammengefasste Kraft aus Tanzen, Platteln und Drahn - gesehen hat, weiß den wertvollen Beitrag, den die Dirndln zu dieser großartigen Selbstdarstellung leisten, zu schätzen und zu würdigen.

Preisplattln

Schuhplattln und Dirndldrahn lernt man nicht von heute auf morgen. Viele Übungsstunden sind nötig, um einen nach Melodie gut sitzenden Schlag und eine entsprechende Körperhaltung beim Platteln zu beherrschen.

Ein ähnlicher Aufwand ist auch beim Dirndl erforderlich, bis sie sich auf einer kleinen Fläche (Bühne oder Tanzboden) schwindelfrei und sauber im Kreis drehen kann. Dieser Aufwand ruft das natürliche Bedürfnis hervor, das erzielte Leistungsvermögen untereinander zu vergleichen, um schließlich einen Sieger oder Siegerin zu ermitteln.

Solche Leistungsvergleiche findet man in den Vereinschroniken schon zur Gründerzeit der Trachtenvereine. So erhielten im Gauverband I, dem ältesten Gauverband im Bayerischen Trachtenverband, die bei den Preisplatteln am 21.08.1892 in Traunstein und am 6.08.1893 in Reichenhall ermittelten Sieger als Preise n Lorbeerkränze. Das erste Verbandspreisplattln im Gauverband I wurde am 19.08.1906 in Endorf durchgeführt, wobei ein gewähltes Preiskomitee das Einzel- und Gruppenplatteln bewertete.

Auch in den anderen Gauverbänden, in denen das Schuhplattln und Dirndldrahn gepflegt wird, entwickelten sich im Laufe der Jahre Vereins- und Verbandspreisplattln nach bestimmten Richtlinien und Wertungsmethoden. Der hohe Leistungsstand erfordert dabei von den Preisrichtern entsprechende Kenntnisse und Ausbildung für ihr schwieriges Amt. Dazu führen die Gauvorplattler oder gewählte Preisrichter-Obmänner regelmäßige Preisrichterschulungen durch, um Veränderungen im Wertungsmaß zu erläutern und abzusprechen. Bei der Punktvergabe wird u.a. besonders auf vollständige und saubere Tracht sowie auf ein exaktes Plattln und Drahn geachtet.

In den Gauverbänden unterscheidet man nach Vereins-, Gebiets- und Gaupreisplatteln, wobei letztere einen Größenumfang erreichen, dessen zeitliche Bewältigung nur eine zahlenmäßige Teilnahmebeschränkung erlaubt. Gauübergreifend finden zudem gauoffene Preisplattln und seit 2002 das „Preisplattln um den Bayerischen Löwen“ statt. Beides sind regionale Veranstaltungen von Gauverbänden mit ähnlichen Plattler- und Drahstilen und einem eigens entwickelten Punktesystem, um eine gerechte Bewertung der Teilnehmer zu erreichen. Vorrangige Aufgabe jedes Gauverbandes sollte jedoch die Förderung der unterschiedlichen regionalen Plattler- und Drahstile sein, um die ‚Rass’ dieser überlieferten Tradition zu bewahren und sie ‚mit Schneid, Stolz und Würde’ zu präsentieren.

Trachtentänze

Wer einen Heimatabend, Festabend oder andere trachtlerische Festlichkeiten besucht, gebraucht Auge und Ohr, um die Vielfalt des Gebotenen zu erfassen. Dazu zählen neben dem Schuhplatteln, dem Gesang und der Musik die an Figuren reichhaltigen Trachtentänze.

Wegen ihrer Schwierigkeit und da sie von einer bestimmten Anzahl an Trachtenpaaren getanzt werden, kann man diese Tanzformen nicht zum allgemeinen Volkstanz zählen. In der Fachsprache nennt man sie auch Schau- oder Vereinstänze.

Als wichtigste Trachtentänze kennt man den "Bandltanz", das "Mühlradl", den "Sterntanz", den "Kronentanz", den "Zwei- und Dreisteirer", den "Laubentanz", den "Sensentanz" sowie den "Sechser- und Achtertanz" (Reigentanz). Während das "Mühlradl" - ein Zunfttanz der Müller - an die Zeit der Zünfte erinnert, der "Achtertanz" den Flößern den weiten Weg zum Schwarzen Meer kurzweiliger gestaltete, und die Entstehung des "Sechsertanzes" ins 17. Jahrhundert zurückführt, findet man den Ursprung der anderen Figurentänze in nicht allzufernen Vergangenheiten.

Der um 1890 aus Brixlegg/Tirol stammende "Bandltanz" gehört noch zu den älteren Tänzen, wogegen der "Kronentanz" erst in den 1920er Jahren auf Betreiben der Trachtenkameraden Anden Meier (Jachenauer) und Sepp Pfleger (Peißenberg) entstanden ist. Hartl Mayers (Weilheim) "Sterntanz" schließlich erlebte seine Uraufführung 1930 beim 1. Trachtenaufmarsch in Rosenheim und erfreut sich stets großer Beliebtheit.

Im Jahr 2000 wurden diese Trachtentänze dank des besonderen Einsatzes von Rosi Geiger, der früheren Gaupressewartin im Lechgau, und dem damaligen Landesvorplattler Sepp Lausch im Buch „Vom Achtertanz zum Zwoasteyerer“ veröffentlicht und somit entstand ein wertvolles Dokument auch für die kommenden Trachtlergenerationen. Ob im Vereinsleben oder auf Gauebene, die Figurentänze sind fester Bestandteil der trachtlerischen Darbietungen geworden und stellen ein wunderbares Brauchtum dar, welches sich aus der Trachtenbewegung entwickelt hat.

Volkstänze

Der Volkstanz in Bayern war früher mit dem Brauchtum (z. B. Schwertertanz) sowie mit Berufs- und Ständegruppen (z. B. Schäfflertanz, Webertanz) verbunden.

Einflüsse auf den Abwechslungsreichtum übten u. a. das Militär (z. B. Marschierpolka), Fremdarbeiter (z. B. Italiener), Erntehelfer aus dem Osten (z. B. Mazurka), fahrende Händler, deutschsprachige Ansiedlungen in anderen Ländern wie Böhmen oder Galizien, Schiffsleute (z. B. Rheinländer) sowie die höfische Gesellschaft (z. B. Francaise) aus.

Mit dem Einzug der modernen Tänze auf den Tanzveranstaltungen – besonders nach den beiden Weltkriegen – verlor der bodenständige Volkstanz zunehmend an Bedeutung. Besonnene Leute jedoch nahmen sich der Pflege und Förderung der Volkstänze an. Zu ihnen zählen vor allem Erna Schützenberger aus Passau, die bereits um 1930 als eine der Ersten die bodenständigen Tänze aufzeichnete und zusammen mit Prof. Derschmidt aus Oberösterreich die fünfbändige Reihe „Spinnradl – Unser Tanzbuch“ mit überlieferten Tänzen veröffentlichte, Erwin Zachmeier in Franken und Georg von Kaufmann, Forstmann und begeisterter Tanzmeister der oberbayerischen Volkstänze.

Neben den Rundtanzformen wie Landler, Polka, Zwiefacher oder Dreher förderten sie besonders die überlieferten Figurentänze, die sich durch einfache Formen und Melodien auszeichnen. Rund- und Figurentänze sprechen alle Altersgruppen und Berufsschichten an und sind durch den Begriff „Volkstanz“ bestens umschrieben. Die Förderung der Volkstänze erfolgte zunächst durch die Volkstanzkreise, bei denen es sich um Gleichgesinnte handelte, die Freude am Volkstanz gefunden hatten. Die Trachtenvereine dagegen nutzten zunächst Plattler und Trachtentänze als Mittel der Selbstdarstellung. Erst in den 1960er Jahren konnten vor allem Erwin Zachmeier mit den Loonharder Musikanten und Georg von Kaufmann mit Sigi Ramstötter und der Teisendorfer Tanzlmusi durch zahlreiche Volkstanzkurse und Tanzfeste die Freude am Volkstanz in den Trachtenvereinen verstärken.

Viele Trachtenvereine und Gauverbände veranstalten bereits seit Jahren Volkstanzabende, Trachtenbälle, Volkstanztreffen, Gaubälle, Mai-, Kirchweih- und Kathreintänze als Ausdruck echter Brauchtumspflege und tragen somit dazu bei, dass dieses Kulturgut weiterhin gefördert und den kommenden Generationen ebenfalls die Vielfalt und Freude am ‚boarisch’n Tanzbod’n’ vermittelt wird. Einmal mehr gilt auch hier: „Bairisch ist fein!“

Oide Wiesn Bürgerball

Im Jahr 2014 wurde erstmals der ‚Oide Wiesn Bürgerball‘ im Deutschen Theater in München vom Festring München durchgeführt und seit Beginn dieser großen traditionellen Veranstaltungsreihe zum jährlichen Auftakt des Münchner Faschings haben zahlreiche junge Repräsentantenpaare aus den angeschlossenen Gauverbänden die Ehre, die Vielfalt an Plattlern und Tänzen im Bayerischen Trachtenverband mit einem großen ‚Repräsentanten-Tanz dem Publikum zu zeigen und mit diesem kombinierten Tanz- und Plattlerauftritt die Einheit des Verbandes zu demonstrieren. Außerdem lädt der Festring München abwechselnd weitere Gauverbände ein, deren Gaugruppen Plattler und Tänze darbieten, kombiniert mit Schnalzer-Einlagen. Musikalisch wird der ‚Oide Wiesn Bürgerball‘ von der Oktoberfest-Kapelle Grünbauer umrahmt und im Tanzsaal spielt die Gautrachtenkapelle Beratzhausen zum zünftigen Volkstanz auf.

 

So schön war es auf dem Oide Wiesn Bürgerball 2020

Gesamtbairisches Tanzfest

Das Sachgebiet Volkstanz und Schuhplattler veranstaltete in den Jahren 2010, 2013, 2016 und 2019 Gesamtbairische Tanzfeste mit Gaugruppentreffen der angeschlossenen Gauverbände in der Rampl-Festhalle in Hinterskirchen. Diese Groß-Ereignisse mit jeweils über tausend Mitwirkenden und Gästen wurden musikalisch umrahmt von der Gautrachtenkapelle Beratzhausen aus der Oberpfalz, der Rottauer Tanzlmusi aus dem Chiemgau, der Halbton Musig aus dem Oberen Lechgau und der Kapelle 'Schlapperflicker' aus Unterfranken. Allgemeine Tanzrunden, schneidige Auftritte der Gaugruppen und Gemeinschaftsplattler bereicherten diese Brauchtumsveranstaltungen und der gesamte Erlös kam dem nahegelegenen Trachtenkulturzentrum in Holzhausen zugute!

So schön war das Tanzfest 2019