Volkstanz zum Mitmachen

08.03.2018 19:38 von Hans Menzinger

Eine der wichtigsten Aufgaben des Bayerischen Waldgaues ist die Erhaltung, Pflege und das Erlernen von bayerischen Volkstänzen. In Bayern gibt es eine Fülle an Volkstänzen, die es in ihrer schlichten Schönheit mit abwechslungsreichen Eigenarten zu entdecken gilt. Gauvortänzer Eugen Sterls Ziel ist es, den bodenständigen Volkstanz zu pflegen und lebendig zu erhalten. Volkstanz ist dabei nicht nur zum Vorführen, sondern auch zum Mitmachen gedacht. Aus diesem Grund findet alljährlich (seit 1978) das Volkstanztreffen der 36 Waldgauvereine statt, das aus dem leistungsorientierten Preistanzen entstanden ist. Heuer wird dazu am Samstag, 28. April in die Mehrzweckhalle nach Teisnach eingeladen. In zwei Gebietstanzproben (im Herbst und Frühjahr) werden die von Eugen Sterl ausgesuchten Tänze einstudiert und gemeinsam an den Schritten „gefeilt“. Erst bei der Veranstaltung selber erfahren die Tanzgruppen, welchen der vier Volkstänze sie an diesem Abend zur Aufführung bringen werden. Also muss jeder geübt werden und „sitzen“. Vorgemerkt werden kann nur, wer sich für einen Tanz zu dritt oder einen Zwiefachen entscheidet. So manch fast vergessener Tanz wird im gemeinsamen Tun und mit viel Spaß wieder ins Gedächtnis gerufen, aufgefrischt und neu erarbeitet. Als „Tanzmeister“ verantwortlich ist für den Bezirk KÖZ/CHA/Furth i. Wald Gebietsvortänzerin Martina Münsterer, der als Tanzpartner Andreas Ammon zur Seite stand. Bei der Frühjahrs-Gebietstanzprobe, die im Gasthaus Januel/Zum Leboid in Bad Kötzting stattfand, waren Tanzpaare der Vereine D'Ossabuam Lam, Stoarieda Ottenzell, Tannenecker Haibühl, D‘Riedlstoana Arrach, Wochtstoana Hohenwarth, Regentaler Grafenwiesen, D’Waldlerbuam Kötzting und Pastritztaler Schafberg zugegen.

Da Tanzen mit musikalischer Begleitung weitaus reizvoller ist als Tanzen zu Musik aus der Konserve, war man wieder froh, Karl Hartl aus Daberg mit seinem Akkordeon unter sich zu wissen. Er hatte den erforderlichen Rhythmus und Taktwechsel im Blut und spielte versiert auf. In den folgenden zwei Stunden wurden die Tänze Rediwa, Maxberger, Tanzfolge Haxnschmeißer-Webertanz-Marschierpolka und als Tanz zu dritt der Obfelder Dreier geübt. Viel Erheiterung brachte die Müllerburschen-Polka mit ihren Stampftritten und Kreuztupfschritten. Ein besonders verzwickter Zwiefacher, der die Tanzpaare ganz schön „fuxte“, war der „Weiß-Blau“ mit seinen Taktwechseln zwischen Dreher- und Polkaschritten. Es bedurfte einiger Übung, bis die Paare ihn fehlerfrei und sicher tanzen konnten. Als zweiter Zwiefacher gefiel der zum Mitsingen geradezu auffordernde „Des is a Süaßa“.

Es wurde ein rundum schwungvoller und geselliger Abend. Martina Münsterer dankte den „Waldlerbuam“ Kötzting für ihre Gastfreundschaft und wünschte einen erfolgreichen Auftritt beim Volkstanztreffen. (krp)

 

Wissenswertes über den Zwiefachen:

  • Die Besonderheit beim Zwiefachen besteht im (unregelmäßigen) Wechsel zwischen Dreivierteltakt und Zweivierteltakt also dem Wechsel zwischen Walzer und Dreher.

  • Der Taktwechsel kann regelmäßig, unregelmäßig oder auch sehr unregelmäßig mit Variationen sein.

  • Zwiefache gibt es in vielerlei Schwierigkeitsgraden von leicht über verzwickt bis „varreckt“.

  • Der erste schriftliche Beleg findet sich in der Amberger Lautentabulatur um 1770.

  • Bekannt sind vor allem die Zwiefachen aus der Oberpfalz und aus Niederbayern. Doch auch im schwäbischen und alemannischen Raum sind solche Tanzmelodien überliefert, die im Ries Schweinauer, im angrenzenden Kesseltal Schleifer und im Schwarzwald Heuberger genannt werden.

  • Am 10. November 2016 wurde der Zwiefache im Kaisersaal der Münchner Residenz in das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen und am 9. Dezember 2016 in das bundesweite Verzeichnis.

     

Bildunterschrift zu ko-krp-Gebietstanzprobe März 2018-1-3:Martina Münsterer zeigte zusammen mit ihrem Partner Andreas Ammon die Tänze vor.

 

Bildunterschrift zu ko-krp-Gebietstanzprobe März 2018-4:

Tanzen verbindet: Ein perfektes Tanzpaar gaben die erst 12-jährige Verena Stein und Ehrenvorsitzender Poidl Sperl von den „Waldlerbuam“ Kötzting ab.

 

Bildunterschrift zu ko-krp-Gebietstanzprobe März 2018-5:

Auch dieses jugendliche Tanzpaar der „Wochtstoana“ hatte seine Freude beim Tanzen.

 

Bildunterschrift zu ko-krp-Gebietstanzprobe März 2018-6: Ein rundum gelungener Tanzabend wurde die Frühjahrs-Gebietstanzprobe in Bad Kötzting.

 

Bildunterschrift zu ko-krp-Gebietstanzprobe März 2018-7:

Da lachte das Männerherz: Ein fescher Tänzer zwischen zwei aparten Tanzpartnerinnen beim „Obfelder Dreier“.

 

Bildunterschrift zu ko-krp-Gebietstanzprobe März 2018-8:

Nicht mehr wegzudenken: Musikant Karl Hartl aus Daberg.

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