Rundherum im Polka- und Walzerschritt

01.11.2017 13:08 von Hans Menzinger

In Bayern gibt es eine Fülle an Volkstänzen, die es in ihrer schlichten Schönheit mit abwechslungsreichen Eigenarten zu entdecken gilt. Der Bayerische Waldgau sieht den Erhalt der traditionellen Tanzformen als vordringliche Aufgabe an, um die überlieferten Volkstänze nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Aus diesem Grund treffen sich die 36 angeschlossenen Vereine alljährlich zum Volkstanztreffen. Im Vorfeld dazu werden von Gauvortänzer Eugen Sterl jeweils sechs Tänze aus dem reichen „Schatz“ an Tänzen ausgewählt. Dabei wagte er auch einen „Blick über den Tellerrand“. Erst bei der Veranstaltung selber erfahren die Tanzgruppen, welchen der sechs Tänze sie an diesem Abend zur Aufführung bringen werden. Davor jedoch gilt es, die Tänze ausreichend zu üben, was bei zwei Gebietstanzproben und weiteren vereinsinternen Tanzproben geschieht. Bei der Herbst-Gebietstanzprobe des Bezirkes KÖZ/CHA, die im Gasthaus Aschenbrenner in Arrach stattfand, waren Tanzpaare der Vereine D’Enzianbuam Lohberg, D'Ossabuam Lam, Stoarieda Ottenzell, Tannenecker Haibühl, D‘Riedlstoana Arrach, Wochtstoana Hohenwarth, Regentaler Grafenwiesen, D’Waldlerbuam Kötzting und Pastritztaler Schafberg zugegen. Gebietsvortänzerin Martina Münsterer (zuständig für die Bezirke Bad Kötzting, Cham und Furth i. Wald) konnte unter den 30 anwesenden Trachtlern auch Musikant Karl Hartl sowie ihren Amtsvorgänger Adolf Breu mit Gattin Roswitha willkommen heißen. In den folgenden zwei Stunden kamen dann alle ganz schön ins Schwitzen, bis die von Martina Münsterer und Tanzpartner Andreas Ammon vorgezeigten Tänze richtig saßen. Der „Rediwa“, ähnlich der Wechselpolka, stellte eine Abfolge von Polka- und Walzerschritten dar und ist ein sogenannter Sprachinseltanz aus dem Donauraum, aus der Schwäbischen Türkei (Donauschwäbischer Volkstanz). Aus eher heimischen Gefilden, und zwar aus der Oberpfalz, stammt der „Maxberger“. Eine Geschichte, nämlich die des Müllerhandwerks, erzählte die „Müllerburschenpolka“. Sie kommt aus Schlatzendorf (bei Viechtach) und wurde von Volkskundler Wolfgang A. Mayer vom Institut für Volkskunde in München 1973 dort aufgezeichnet. Er zeichnet sich durch Kreuztupfschritte und Stampftritte aus. Für Abwechslung sorgte die Tanzfolge „Haxnschmeißer – Webertanz – Marschierpolka“. Als Tanz zu dritt wurde der „Obfelder Dreier“ geübt. Dieser Dreiertanz entstand im Grödnertal (südlich von Brixen in Südtirol). Ein besonderer Zwiefacher war der „Weiß-Blau“ mit seinen Taktwechseln zwischen Dreher- und Polkaschritten. Er war recht leicht zu erklären, es bedurfte jedoch einiger Übung, bis die Paare ihn fehlerfrei und sicher tanzen konnten. Aufgezeichnet hat ihn wiederum Wolfgang A. Mayer in Kumreut (Markt Röhrnbach, Lkrs. FRG-Grafenau). Aber auch der Zwiefache „Des is a Süaßa“, der sich gut zum Mitsingen eignete, gefiel gut.

Martina Münsterer wies am Ende des offiziellen Teils auf das Volkstanztreffen 2018 hin, das am 28. April in der Mehrzweckhalle in Teisnach stattfindet. Davor treffen sich die Vereine aber nochmals im Frühjahr zu einer weiteren Tanzprobe, die am 2. März in Bad Kötzting im Gasthaus Januel/Mathes (Zum Leboid) stattfindet. (krp)

 

Bildunterschrift zu ko-krp-Gebietstanzprobe Oktober 2017-1-5:Martina Münsterer zeigte zusammen mit ihrem Partner Andreas Ammon die Tänze vor. Im Hintergrund: Musikant Karl Hartl aus Daberg.

 

Bildunterschrift zu ko-krp-Gebietstanzprobe Oktober 2017-6:

Die „Müllerburschenpolka“ ahmte altes Handwerk nach.

 

Bildunterschrift zu ko-krp-Gebietstanzprobe Oktober 2017-7-9:

Ein Tänzer zwischen zwei Tänzerinnen: der „Obfelder Dreier“.

 

Bildunterschrift zu ko-krp-Gebietstanzprobe Oktober 2017-10: Auch dieses jugendliche Tanzpaar der „Riedlstoana“ hatten ihre Freude beim Tanzen.

 

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