Mundart ist Kulturgut des Waldlers

18.11.2017 18:06 von Hans Menzinger

Zum letzten Mal in diesem Jahr trafen sich die Trachtler des Bayerischen Waldgaues zu ihrer Stammtischrunde, die diesmal in Hunderdorf im Gasthaus Baier-Edbauer stattfand. Bereits im Juli 2013 waren „Dö lustigen Perlbachtaler“ Hunderdorf schon einmal Gastgeber. Vorsitzender Werner Fischer freute sich über die Anwesenheit von Vereinsabordnungen aus Loitzendorf, St. Englmar und Windberg. Auch mehrere Mitglieder der Gauvorstandschaft sowie Gau-Ehrenmitglied Sepp Schiller waren unter den Gästen. Gauvorstand Andreas Tax sagte dem Verein Dank für die Gastfreundschaft dieser zwanglosen Runde nach erfolgreichem Festsommer. Er wies noch auf die Nikolaus-Aktion des Bayerischen Trachtenverbandes hin, die traditionelle Schoko-Nikoläuse (keine Weihnachtsmänner) anbietet. Herzliche Einladung erfolgte zum Kathreintanz, der am Samstag im Gasthaus Aschenbrenner in Arrach stattfindet. Weiter wünschte Tax noch einen ruhigen November und eine besinnliche Adventszeit. Das einleitende Gedicht von Werner Fischer über die warm klingenden Grußformeln „Grüaß Gott und Pfüat Gott“ stimmte schon bestens auf das nun Folgende ein.

Kulturreferent Klaus Bielmeier aus dem nahen Perasdorf hatte sich für die Gestaltung des Abends einiges zur Dialektpflege einfallen lassen. Als ehemaligem Lehrer war es ihm stets ein Anliegen, seine Schüler nicht nur in der Hochsprache zu unterrichten, sondern auch den Dialekt nicht zu vernachlässigen. „Unsere Mundart ist ein Kulturgut wie unsere Tracht, Volkslied, Volksmusik, Brauchtum, Heimatgeschichte oder Literatur“, meinte Bielmeier eingangs. Mitgebracht hatte er mehrere lustige Ratespiele, bei denen es galt, die richtigen Dialektwörter einzusetzen und zuzuordnen.

Typisch bayerisch waren die zusammengesetzten Wörter, die einen Sachverhalt nochmals verstärken: z. B. „zeckerl-foast“, „pumperl-gsund“, „wacherl-woam“, „stroh-dumm“, pudel-nackert“ oder „kugel-rund“. Auch ganz alte, teils nicht mehr im täglichen Sprachgebrauch der modernen Menschen vorhandenen Wörter kamen zur Sprache: „Dö Hosn schludert eahm um d'Haxn umme“, „Mia brauchst du ned aso her-soin“, „Am Ellbogen is d'Joppn scho ganz schieder“, „Ohne Zähn kon ma s'Brout bloß mumfeln“, „Fertn hods vuj Zweschb'n gebm“, „Boid kimt a Weda, weil's scho himatzt“, „Fenster auf, do is so döwe herin“ und vieles mehr.

Zum Schmunzeln gab es jede Menge und so mancher (vor allem ältere) Trachtler konnte noch so einige alte Wörter beisteuern. Dabei wurden auch die regionalen, sprachlichen Unterschiede, die oft schon von Dorf zu Dorf variieren, deutlich. Was bei dem einen ein „Grand“ ist, war beim anderen ein „Ousch“ (granitener Wassertrog), der Kartoffelpuffer war ein „Ritsche“ oder ein „Dotsch“. Und wer kennt schon noch einen „Weidling“ (Milchgefäß aus Ton)?

Aufgefrischt wurde das muntere Wörter-Erklären durch kleine Mundartbeiträge und Anekdoten. Bielmeier meinte gegen Ende der illustren Runde, dass man nicht nur alte Wörter sammeln sollte, sondern diese auch umgangssprachlich pflegen. Fleißig auf spielten die beiden Musiker Max Schötz und David Janker von der Blaskapelle „De Andern“ und auch für das leibliche Wohl der Gäste war bestens gesorgt. Für süße Gaumenfreuden sorgte das leckere Kuchenbuffett der weiblichen Vereinsmitglieder der Perlbachtaler.

Auch im nächsten Jahr lädt der Bayerische Waldgau wieder zu den Stammtischen ein, für die teils noch ausrichtende Vereine gesucht werden. Termine dafür sind: Donnerstag, 1. März, 3. Mai (Bischofsmais), 5. Juli, 6. September und 8. November (Ottenzell). (krp)

Bildunterschrift zu ko-krp-Gaustammtisch November 2017-1: „Grüaß Gott“ sagte Perlbachtaler-Vorsitzender Werner Fischer mit einem Gedicht.

Bildunterschrift zu ko-krp-Gaustammtisch November 2017-2: Kulturreferent Klaus Bielmeier hatte einige Mundart-Spielereien vorbereitet.

Bildunterschrift zu ko-krp-Gaustammtisch November 2017-3-4: An den Tischen wurde fleißig geraten, geknobelt und kombiniert.

Bildunterschrift zu ko-krp-Gaustammtisch November 2017-5: Zu den Gästen beim Gaustammtisch gehörten: (v. li.) Gauvorstand Andreas Tax, Gauehrenmitglied Sepp Schiller, Alfons Venus und Franz Stieglbauer (Trachtenverein St. Englmar) und Gauvolkstanzreferent Eugen Sterl.

Bildunterschrift zu ko-krp-Gaustammtisch November 2017-6: Die Stammtischrunde des Bayerischen Waldgaues machte diesmal im Gasthaus Baier-Edbauer in Hunderdorf Station.

 

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