100 Jahre Oberer Lechgau-Verband 1920 bis 2020

24.03.2020 19:05 von Hans Menzinger

Im Umkreis von Füssen, Weissensee, Hopfen, Hopferau, Rieden, Roßhaupten, Seeg, Wald, Sulzschneid, Stötten, Marktoberdorf, Bertoldshofen, Bidingen, Bernbeuren, Lechbruck, Prem, Urspring, Wies, Wildsteig, Trauchgau, Buching bis Schwangau gibt es kaum ein Dorf ohne Trachtenverein. Dies ist typisch für den Oberen Lechgau-Verband. Eine unbändige Dichte an Trachten- und Heimatvereinen und kurze Wege. Beheimatet ist der Gau grenzübergreifend, größtenteils im Ostallgäu im Regierungsbezirk Schwaben und ein Teil davon im Landkreis Weilheim-Schongau in Oberbayern.

Im Gasthaus zur Post in Buching gründeten am 24. Oktober 1920 die Vertreter der Vereine „Neuschwanstoaner“ Füssen, Älpler“ Trauchgau, „Hochplatte“ Buching, „Schwanstoaner“ Schwangau und „Lechgauer“ Prem den Oberen Lechgau-Verband mit Sitz Füssen. Im Jahr 1921 schlossen sich weitere neun Vereine an. Heute gehören zum Oberen-Lechgau 23 Vereine mit 5.123 Mitgliedern und ca. 1.300 Kindern und Jugendlichen.

Die vor 1920 gegründeten Vereine gehörten bis zur Gründung des Oberen Lechgau-Verbandes dem Lechgau oder Allgäuer Gauverband an. Der älteste Verein des Gaues „D’ Neuschwanstoaner Stamm“ Füssen wurde bereits 1900 gegründet und der Jüngste „D’ Stoiwändler“ Wald im Jahr 1977. Seit 1920 leiteten elf Gauvorstände die Geschicke eines der kleinsten Gauverbände Bayerns und seit 2008 ist Walter Sirch aus Sulzschneid der 1. Gauvorstand.

 

Am Gründungsort fand logischerweise auch das erste Gautrachtenfest am 21. Juni 1921 statt - damals mit einem Preisplatteln. Seit dem gilt, dass das Gautrachtenfest turnusgemäß jedes Jahr von einem anderen Verein organisiert wird, später mit der Konsequenz im Jahr darauf die Gaupreisplatteln zu übernehmen.

 

Seit der Gründung hat sich trachtenmäßig einiges verändert bzw. ergänzt. 1925 wurde bei der Generalversammlung in Füssen eine einheitliche Gautracht festgelegt, denn die Miesbacher Tracht war bis dahin vorherrschend und nun der Pate für die Tracht. Es wurde damals bestimmt, dass die Männer die forstgrüne Joppe mit Weste, graue Strümpfe, Halbschuhe mit Latz, schwarze Lederhose mit Stickerei, leinernes weißes Hemd und einen dunkelgrünen Hut mit spitzer Form tragen. Für die Mädla ist ein grauer Rock mit grüner Schürze und Schultertuch notiert. Die Farben der Frauentrachten sind inzwischen doch etwas vielfältiger geworden. Die Röcke sind rot, blau, grün und grau und die Schürzen- und Tücherfarbe reicht von weiß, hellblau, rosa, hellgrün, hellgelb, blau bis grün. Heute zusätzlich mit historischen Trachten - einem besonderen Tüpferl!

 

Genauso entwickelten sich im Laufe der Zeit die jährlichen Veranstaltungen des Gaues vom Gaupreisschafkopfen bis zum Adventsingen. Tradition ist inzwischen auch die Gauwallfahrt in die Wies am Pfingstmontag, die erstmals 1991 stattfand. Seit 1997 besitzt der Gau eine Wallfahrtsstange mit der Abbildung des gegeißelten Heilands auf der einen Seite und auf der anderen Seite des Hl. Magnus. Umrahmt sind diese geschnitzten Bilder von 24 gemalten Medaillons mit den Kirchenpatronen der Orte der Gauvereine. Am Wallfahrtsweg errichtete der Obere Lechgau 2008 ein großes Feldkreuz auf einem großen Findling.

Wie vielfältig die Brauchtumsarbeit im Gau ist, wurde 2004 im Buch „Bei uns im Oberen Lechgau“ zusammengestellt. Advent, Fasnacht, Funken, Ostern, Trachtenwallfahrt am Pfingstmontag, Almtag, Gautrachtenfest sowie die Veranstaltungen mit Musik, Gesang und Tanz sind einige Stichpunkte aus dem Inhalt.

 

Die Gaustandarte wurde am 2. Juli 1978 in Füssen zur Weihe getragen. Gestiftet hat sie der damalige Landtagsabgeordnete Richard Wengenmeier aus Marktoberdorf.

 

Schon Ende der zwanziger Jahre wurde erwähnt, dass der Oberländer Heimatbote die Verbandszeitung war. Diese Zeitung wurde ab 1940 auch an die Kriegsfronten verschickt, da sich 2/3 der Mitglieder im Heeres- oder Kriegsdienst befanden. Heute ist dieses Verbandsorgan der Heimat- und Trachtenbote.

 

1930 war der Beitritt des Oberen Lechgau-Verbandes zu den Vereinigten Bayerischen Trachtenverbänden. In Hohenschwangau fand erstmals am 7./8. März 1953 die Tagung der Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände im Oberen Lechgau statt. Die zweite Tagung wurde ausgerichtet am 25./26. März 1972 in Marktoberdorf und zum dritten Mal war der Obere Lechgau Gastgeber am 26./27. September 1987 in Schwangau. Im September 2002 schlossen sich der Vereinigte Bayerische Trachtenverband und der Landesverband Bayerischer Heimat- und Volkstrachtenvereine zusammen im Bayerischen Trachtenverband e.V. Dessen Jahrestagung war am 25./26. September 2004 im damaligen Kurhaus in Schwangau.

 

Im Mai 2015 eröffnete Max Bertl, 1. Landesvorsitzender des Bayerischen Trachtenverbandes, das Trachtenkulturzentrum Holzhausen nach mehr als zehn Jahren Planungs- und Bauzeit. Über 30.000 ehrenamtliche Stunden wurden von Frauen und Männern geleistet und jeder Gau übernahm den Ausbau eines Zimmers im Bildungshaus. Der Obere Lechgau-Verband hat zusammen mit dem Lechgau-Verband ein Zimmer gestaltet. Möglich war dieses Zentrum des Dachverbandes nur dank den vielen geleisteten Stunden, Spenden und der Unterstützung des Fördervereins.

 

Freuen wir uns gemeinsam mit vielen Trachtlerinnen und Trachtlern sowie Besuchern auf schöne Festtage im Jubiläumsjahr 2020 anlässlich 100 Jahre Oberer Lechgau-Verband.

(Marlene Köpf, Gaupressewartin)

Bild: Gauausschuss des Oberen Lechgau-Verbandes vor der Wieskirche
(Foto: Alfred Michel)

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