Klöpflerbrauchtum in Bayern und Tirol

07.12.2012 13:05 von Hans Menzinger

Auch die Chiemgauer Klöpflkinder sammeln für sozialen Zweck.

Zeugnisse für Volksbrauch und Volksglauben des Anklöpfelns sind bereits seit Mitte des 15. Jahrhunderts aus Losbüchern belegt. Das Anklöpfeln in den Klöpfelnächten ist dort als ein weltlicher Brauch dokumentiert, der nicht auf das christliche Weihnachtsgeschehen bezogen war. Anklöpfeln galt vielmehr als auf den Jahreswechsel bezogener Orakelbrauch und war nicht unmittelbar mit Gabenheischen verbunden.

Durch Anklöpfeln wollte man die Zukunft erforschen. Wenn man z.B. zur richtigen Stunde an Stallwände klopfte, hörte man die Haustiere von den Toten des kommenden Jahres reden. In Tirol war die Bedeutung der Klöpfelnächte, das sind die drei Donnerstage vor Weihnachten,  als Lostermine noch im 19. Jahrhundert fallweise bekannt. Für das Anklöpfeln als Heischebrauch liegen die ersten Nachrichten seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts vor. 1520 wird es bei Johannes Boemus erstmals als Kinderheischebrauch beschrieben. In der Folge kam es immer wieder zu Verboten oder Einschränkungen des Brauchs, weil er entweder gegen die öffentliche oder die kirchliche Ordnung zu verstoßen schien. Man wollte den öffentlichen Anstand beleidigende Mißbräuche verbieten, als unchristlich empfundenen Elemente beseitigen oder diese mit christlicher Deutung belegen. Die Verbote hatten im allgemeinen wenig Erfolg.

Im Zuge der Gegenreformation setzte schließlich eine bewußt christliche Ausformung des Anklöpfelns ein, die allerdings sehr unterschiedlich Platz griff. In einem Osttiroler Gebetsbuch aus dem Jahr 1619 findet sich bereits eine Anleitung "wie man die drey Donnerstag vor Weihnachten soll geistlich anklöpfeln". Demgegenüber überwiegen in manchen Gegenden Südtirols, etwa im Sarntal noch heute die nicht-christlichen Elemente (Gabenheischen, Rügesprüche) in der Brauchausübung. Als Träger des Brauches traten in Stadt und Land vor allem Kinder, Lehrjungen und arme Leute auf. Daß die Klöpfler teilweise vermummt auftraten, läßt sich aus frühen Zeugnissen vermuten, seit dem 19. Jahrhundert aus genauen Schilderungen belegen.

Trotz der zeitweise fast völligen Reduzierung auf das Gabenheischen haben sich im Anklöpfelbrauchtum bis in unsere Zeit im wesentlichen vier Elemente gehalten: das Glück- und Segenwünschen (Jahreswechsel, gute Ernte), das Heischen bzw. die Beschenkung und Bewirtung, die Anlehnung an das Weihnachtsgeschehen und an manchen Orten das Aufsagen von Versen und Gegenversen zwischen Anklöpfler und Hausvater. Diese vier Elemente sind in den gegenwärtig noch geübten Brauchformen unterschiedlich stark ausgeprägt, so daß das Erscheinungsbild des Anklöpfelns oder –klöckelns regional ganz verschieden sein kann. So haben sich etwa in Südtirol ganz andere Formen als in Nordtirol erhalten.

Auch im Chiemgau und vielerorts in Oberbayern hat sich dieser Brauch in unterschiedlichsten Formen erhalten. An den ersten Donnerstagen im Advent gehen auch heute noch Kinder von Haus zu Haus und erfreuen die Bewohner mit Gesang und Versen. Das sogenannte Klöpfelgehen wird vielerorts auch zur Sammlung von Spenden organisiert. So auch bei den Kindern aus dem Priener Ortsteil Prutdorf, die für ihre  frohen Wünsche Obst, Schokolade und Geld bekamen. Letzteres werden sie – wie sie in ihrem Vortrag sagten- für soziale Zwecke zur Verfügung stellen.

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