Neues Marterl: Ein Zeichen wider das Vergessen

22.10.2012 17:24 von Hans Menzinger

Auch Liebe war ein Verbrechen und wurde mit dem Tode bestraft

Der Heimat- und Trachtenverein Adlkofen sieht seine Aufgabe nicht nur in der Erhaltung von Musik, Tracht und Gesang, er hat es sich auch seit Jahren zur Aufgabe gemacht, Marterl und Wegkreuze zu errichten und zu pflegen und so Heimatpflege zu betreiben. Mit dem Marterl soll ein Zeichen gesetzt werden, dass man vor diesem Thema nicht die Augen verschließt, es soll dazu dienen, diese grausame Tat nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und dazu ermahnen, alles daran zu setzen, dass so etwas nicht wieder geschieht.

70 Jahre nach dem Verbrechen sind die Zeitzeugen rar geworden, erschwerend kommt hinzu, dass der Platz damals weiträumig abgesperrt worden war und die deutsche Bevölkerung keinen Zutritt hatte. Dennoch kannten noch einzelne Mitbürger den Platz der Hinrichtung, an dieser Stelle steht nun das Mahnmal um diese Tat in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Den Anstoß für die Errichtung dieses Mahnmales gab Thomas Muggenthaler, der in seinem Buch „Verbrechen Liebe“ auch den Fall Tomaz Wolak aufgriff. Ihm war es auch gelungen, die Enkelin des Getöteten ausfindig zu machen, die mit einigen Angehörigen an der Feier teilnahm. Buchautor Muggenthaler führte in seiner Rede die Hintergründe dieser Tat aus.

Tomasz Wolak war als Zwangsarbeiter auf dem Schloßgut Deutenkofen, dort lernte er Rosa Kinateder, eine Niederbayerin kennen, die ebenfalls dort arbeitete. Als die junge Frau schwanger wurde und das Paar denunziert wurde, wurde aus der Liebesgeschichte ein Fall für die Gestapo. Den angeblich rassisch minderwertigen Zwangsarbeitern aus Polen und der ehemaligen Sowjetunion drohte die Todesstrafe, wenn sie es wagten, mit deutschen Frauen Liebesverhältnisse einzugehen. In vielen Fällen wurden die Polen in ein KZ eingewiesen, an einigen statuierte das NS-Regime ein Exempel. Sie wurden hingerichtet ohne Prozess und ohne Urteil. In Niederbayern und der Oberpfalz wurden in der Zeit zwischen 1941 und 1943 insgesamt 22 polnische Zwangsarbeiter unter der Regie der Gestapo hingerichtet, ausgeführt in diesem Fall von einem Hinrichtungskommando aus dem KZ Dachau, dass mit einem mobilen Galgen anreiste und in deutscher Gründlichkeit wurde der Todeszeitpunkt genau dokumentiert.

Die Hinrichtungen wurden in der Nähe der Dörfer durchgeführt, in denen die Polen gearbeitet haben, das Ziel der Aktionen war die Abschreckung der polnischen Zwangsarbeiter. Sie wurden nach der Hinrichtung zum Tatort geführt und belehrt, dass ihnen dasselbe Schicksal drohe, wenn sie sich auf eine Liebesbeziehung zu einer deutschen Frau einlassen.

Tomasz Wolak und Rosa Kinateder wurden im Juli 1941 verhaftet. Er kam ins Gefängnis nach Regensburg und wurde sieben Monate später, am 10.03.1942 in der Nähe seines früheren Arbeitsplatzes erhängt, sie wurde wegen der Schwangerschaft vorerst von der Haft verschont, am 25. September 1941 brachte sie ihre Tochter zur Welt und wurde fünf Monate nach der Geburt ins KZ Ravensbrück verschleppt. Nach ihrer Entlassung kehrte Rosa Kinateder zu ihrer Familie in ihren Heimatort zurück. In vielen Ortschroniken wird auch heute noch ein Mantel des Schweigens über die NS-Zeit gelegt, so Muggenthaler, umso bemerkenswerter sei es, dass der Fall Tomaz Wolak bereits vor Jahren von Ernst Schröder in der Ortschronik aufgeführt wurde.

Bei der Feier anwesend war auch der politische Konsul Aleksander Korybut-Woroniecki von der polnischen Botschaft in München, der für die Ehrung des verstorbenen Landsmannes dankte. Es sei erfreulich, so der Konsul, dass zwei Völker die eine schreckliche Geschichte miteinander verbindet, heute in Freundschaft miteinander in einem gemeinsamen Europa leben können. Liebe ist etwas, das Grenzen überschreitet und Völker verbindet, so 2. Bürgermeister Johann Kargl. Im Fall von Tomasz Wolak und vielen anderen ähnlichen Fällen sei diese grenzüberschreitende und völkerverbindende Liebe aber ein Verbrechen gewesen, dass mit dem Tod bestraft wurde.

Auch 70 Jahre danach sei es wichtig, diesen Teil der deutschen Geschichte nicht zu vergessen. Der Trachtenverein trage mit der Errichtung dieses Mahnmales dazu bei, dass diese Tat im Bewusstsein bleibe. Carina Böse, die Vorsitzende des Trachtenvereins dankte dem Heilig-Geist-Spitalstift Landshut, das den Grund für die Errichtung des Marterls zur Verfügung gestellt hat und allen die bei der Errichtung und der Andacht mitgeholfen haben.

Bericht: Maria Daschinger Landshuter Zeitung

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