19. Gredinger Trachtenmarkt - Ein voller Erfolg

04.09.2012 19:57 von Hans Menzinger

Gau München und Umgebung und Trachtengruppe Eglantino Do Limouzi gestalten das Rahmenprogramm mit

Dass kurz vor der Eröffnung des Gredinger Trachtenmarkts der bayerische Defiliermarsch erklingt, nimmt Bezirkstagspräsident Richard Bartsch mit Humor, weiß er doch, dass sich die fränkische Trachtenwelt längst nicht mehr hinter der oberbayerischen verstecken muss. Die Franken haben gewaltig aufgeholt, schließlich findet bei ihnen nun schon der 19. Trachtenmarkt statt. Und der ist nicht nur über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt. Dementsprechend stolz zeigen sich die drei Veranstalter, die Stadt Greding, der Bezirk Mittelfranken und der Bayerische Landesverein für Heimatpflege. „Hier werden Sie fündig“ versprach Bürgermeister Manfred Preischl vollmundig den vielen Gästen, die sich bereits am Samstagvormittag zur Eröffnung des Marktes durch die Budengassen drängten. Und er war sich sicher: „Hier lernen Sie Neues kennen.“ Dass jedes Jahr Gäste aus anderen Regionen den Trachtenmarkt mitfeiern, ist für Preischl ein Stück Völkerverständigung. Deswegen freute er sich, eine Trachtengruppe aus dem Limousin begrüßen zu dürfen, „auf deutsch, sonst verstehen es die Franzosen nicht“.

Bezirkstagspräsident Richard Bartsch als zweiter Mitveranstalter zeigte sich überzeugt, dass es geglückt sei, „die Tracht vom Land in die Stadt zu bringen“. Und das habe man Trachtenberaterin Evelyn Gillmeister-Geisenhof zu verdanken. „Dass Tracht nicht nur als Landthema gesehen wird, war unser Ziel.“ Die Rückbesinnung auf Tracht, Volksmusik und Heimatverbundenheit gebe es nicht nur in Franken, „das ist europäisch“, sagte Bartsch mit Blick auf die ausländischen Gäste, die jedes Jahr den Trachtenmarkt bereichern.

Für Martin Wölzmüller, den Vorsitzenden des Landesvereins für Heimatpflege, ist Tracht eine „besondere Ausdrucksform unseres kulturellen Erbes“. Den Handwerkern und Händlern, die sich auf dem Markt präsentierten, bescheinigte er hohe Fachlichkeit, künstlerische Qualität und das Gespür für Schönheit und Eleganz. Bei der Tracht gehe es nicht nur um ein Zeugnis der Vergangenheit, stellte er klar heraus, sie vermittle ihrem Träger auch in der Gegenwart das Gefühl der sozialen Zugehörigkeit, der regionalen Identität und der Individualität. Deshalb gibt es für Wölzmüller keinen Zweifel: „Die Tracht ist es wert, erhalten und gepflegt zu werden.“ Dieses Ziel habe man verfolgt, als der Markt initiiert worden sei, und diesem Ziel sei man mit dem Markt auch ziemlich nahe gekommen.

Dass der Trachtenmarkt auch immer der Begegnung dient, zeigte sich beim Auftritt der Trachtengruppe aus dem Limousin, die die Herzen der Besucher im Sturm eroberte. Sie stellte eine Alltagstracht mit Holzschuhen und eine Festtagstracht vor und fegte – trotz des fortgeschrittenen Alters der Tänzerinnen und Tänzer – mit viel Elan und Schwung auf der Bühne Polka. Da passte auch der fränkische Juchzer, der aus der Menge ertönte, gut dazu. Für die Fotografen gingen auch die Ältesten aus der Trachtengruppe extra in die Knie und lächelten auf die Kommandos „Cheese“ und „Fromage“ in die Kamera. „Wir fühlen uns bei ihnen sehr wohl“, versicherte der Sprecher glaubwürdig. Sprachprobleme gab es nicht, vor allem nicht unter den Musikern. Ernst Wittrich von der Stadtkapelle Greding, die auf dem Podium für die französischen Gäste Platz machte, erklärten die Musiker der Trachtengruppe Eglantino Do Limouzi auch ohne viele Worte ihre Instrumente wie Dudelsack und Drehleier.

Einen weiten Weg hatten auch die anderen besonderen Gäste hinter sich: Bis von der Insel Föhr waren sie angereist, um ihre Tracht zu präsentieren. Der Stolz auf ihre Tracht war unübersehbar und unüberhörbar der ganze besondere Zungenschlag, der den Trachtenmarkt heuer bereicherte. Sie freuten sich darüber, heuer der Träger des Titels „Tracht 2012“ zu sein. Für den hatten sie sich 2010 beworben, weil sie der Meinung gewesen sind, die Trachtenwelt sei sehr südlastig und dass es Zeit sei, ihre Kleidung zu präsentieren.

Kreisheimatpflegerin Eva Schultheiß musterte den prächtigen Silberschmuck einer Trachtenträgerin, die stolz auf die silbernen Kugeln an ihren Ärmeln zeigte. „Die sind schon 300 Jahre alt“, unterstrich sie. „In unserem ärmlichen Franken gab es so was nicht“, bedauerte die Kreisheimatpflegerin mit ein wenig Wehmut in der Stimme.

Die Tracht spielt auf der Insel Föhr auch heute noch im öffentlichen Leben eine wichtige Rolle. Allerdings gibt es nur Frauentrachten, weil sich die Männer als Seeleute in der ganzen Welt „herumgetrieben“ hätten. Mit viel Humor stellte Helga Wögens die Alltags- und Festtagstracht vor, wechselte nach einem Ausflug ins Plattdeutsche ins Hochdeutsche zurück, damit keinem der Zuhörer die besonderen Feinheiten der Föhrer Tracht entgingen. Sie weiß ja, wie das mit „Fremdsprachen“ ist: „Für uns beginnt Süddeutschland schon, wenn wir die Elbe überqueren“, sagt sie mit einem breiten Lachen.

„Um das Halstuch zu binden und festzustecken, braucht man 70 bis 90 Stecknadeln“, erklärte sie, und ihre „Kolleginnen“ zeigten auch gleich, wie aufwendig das Anziehen sein kann. Besonders ins Auge fällt der Silberschmuck, den die Frauen von der Insel Föhr zum ersten Mal bei der Konfirmation tragen dürfen. Und eines ist auch außergewöhnlich: Alle Frauen tragen hochgesteckte Zöpfe, bei Kurzhaarfrisuren greift man einfach auf die Zöpfe aus der Kindheit zurück. „Wir tragen alle Hauben“, erklärte Helga Wögens. „Das heißt, wir sind alle unter die Haube gekommen. Deshalb tragen wir alle ein rotes Warndreieck“, sagte sie augenzwinkernd.

Text: Andrea Karch

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