Steiner Jak - Senner auf der Schreckalm

30.08.2012 13:55 von Anton Hötzelsperger

Besuch auf der Schreckalm im Geigelstein-Gebiet

Jakob Steiner aus Prien-Atzing war und ist ein vielbeschäftigter Mann. Bislang als Mitarbeiter des Priener Bauhofs, als Hochzeitslader, als Trachtenfunktionär mit verschiedenen, zum Teil bayernweiten Aufgaben, als Vorsitzender des Musikfördervereins Wildenwart, als Erster Fähnrich des Wildenwarter Veteranenvereins und als Busfahrer. Jetzt nach dem Ruhestand hat er nur noch eine Aufgabe: Senner auf dem Geigelstein. Bei einem Besuch des Ehren-Jugendwartes vom Chiemgau-Alpenverband erzählte uns der „Jak“, was ihn am meisten freut und was ihm gar nicht fehlt.

Jakob Steiner ist seit dem heurigen Almsommer Senner auf der Schreckalm, die eine Gemeinschaftsalm von drei Sachranger Bauern ist. Das Almgebiet der „Schreck“ hat 78 ha Licht- und 37 ha Waldweideflächen südlich des Höhenzuges Mühlhörndl-Mühlhornwand auf der Sachranger Seite des Geigelsteins. 90 Stück Vieh von den drei Almbauern sowie von weiteren elf Viehbauern (aus Rohrdorf, Riedering, Übersee, Prien, Ranhartstetten, Neukirchen, Otterkring, Weisham, Niesberg, Egerndorf und Thansau) gilt es zu betreuen. Jeden Tag mit dem Sonnenaufgang beginnt der Tag und dieser mit dem Zählen des Viehs. Zweieinhalb bis drei Stunden Gehzeit für das weitläufige Almgebiet auf einer Höhe zwischen 1.300 bis fast 1.600 Metern über dem Meer sind täglich zu leisten.

„Die Stimmung in der Natur mit vielerlei Tierarten, der Sonnenaufgang mit seiner ganz besonderen Atmosphäre und das anschließende, kräftige Frühstück vor der Almhütte sind jeden Tag ein Geschenk“, so Jakob Steiner. Der „Jak“ kennt jedes Stück Vieh, in der Regel bleiben die Tiere eines Bauern auch immer beieinander, doch manchmal gilt es auch ein Stück zu suchen. So auch am Tag unseres Besuchs. Bergwanderer, die unverantwortlich ein Gatter nicht mehr geschlossen hatten, schafften auf diese Weise eine Lücke im Zaun und dies wurde auch von einer Kalbin gleich genutzt. In der benachbarten Ackeralm tauchte das entlaufene Vieh wieder auf und wurde vom Senner alsdann gleich wieder zurückgeholt. Das Vertrauen zu den Tieren ist für den Jak eines der schönsten Geschenke auf der Alm, dies zeigt sich in Form von lauter, gegenseitiger Unterhaltung (der Senner bezeichnet dies mit „Ratschen“).

Nach dem Frühstück macht sich der aktive Almerer an die wetiere Arbeit. Lecksteine erneuern, Wassertröge säubern, Zaunreparaturen vornehmen, „Schwenden“ (bedeutet Roden oder von Sträuchern befreien - rund eintausend Boschen durch Selbstanflug wurden auf dem Almgebiet geschätzt), beim Wetterkreuz auf dem Dach neue Schindeln anbringen, Brennholz machen, Mähen und Sensen dengeln sowie häusliche Arbeiten in der und um die „Almwohnung“ sorgen für Abwechslung. „Das viele Gehen und das Arbeiten an der frischen Luft taugen mir, obwohl ich schon einige Kilo abgenommen hab“, so der Senner, der auch ein guter Organisator ist. So hat er passend zum Festtag seines Namenspatrons am Jakobustag zum Alm-Feiertag eingeladen.

„Alle sind gekommen, die Alm- und Viehbauern, die Nachbarn, Holzknechte, Sennleute bis vom Wandberg und aus dem nahen Tirol, seine Familie mit dem Ziach spielenden Enkel, Tiroler Musikanten sowie die Wirtin mit ihrem Personal von der Priener Hütte“ resümiert Jakob Steiner. Überhaupt freut sich der Jak über Besuche, die aufgrund seiner großen Bekanntheit auch nicht selten sind. So schauten schon viele Trachtenkameraden beim Jak vorbei, unter anderem Zweiter Gaujugendleiter Thomas Kreuzer vom Allgäuer Gauverband, der gerne im Chiemgau seine Fernwanderung unterbrach, Gauvorstand Peter Eicher vom Gauverband I, die Trachtenvorstände Andi Hell aus Schleching, Lambert Huber aus Wildenwart, Simssee-Gebietsvertreter Barthl Hollinger, Klaus Reitner von der Vorstandschaft des Bayerischen Trachtenverbandes und Freunde vom Bautrupp des Trachtenkulturzentrums in Holzhausen, die leider einen Sommer lang auf die Mithilfe von Jakob Steiner verzichten müssen. Der Wildenwarter Veteranenverein hat sogar eine Sitzung der Vorstandschaft auf die Schreckalm gelegt, damit ihr Fähnrich dabei sein kann. Noch bis Ende September beabsichtigt Jakob Steiner in Abstimmung mit den Alm- und Viehbauern auf der Schreckalm bleiben zu können, sofern das Wetter mitmacht.Die Weidemenge müsste jedenfalls reichen.

Besonders freut er sich, wenn die letzten Wochen seine Frau Traudi mit auf der Alm bleiben kann. Bislang war sie die ersten Wochen und sonst immer am Wochenende eine wertvolle Hilfe in vielen Aufgaben in und auf der Alm. Auch sie erfreut sich an der Ruhe, Beschaulichkeit und an den beruhigendem Geläute der Kuhglocken. Von den 90 Tieren tragen 80 eine Glocke, zwei gingen schon verloren, wurden aber von den Almleuten wieder gefunden. Dreimal bislang musste Jakob Steiner ein erkranktes Vieh in den Stall holen, aber bislang schaffte er die Wiedergenesung immer ohne Tierarzt. Für den Senner ist das Vertrauen zu den Almleuten und Tieren ein wertvolles, wichtiges und wohltuendes Gefühl. Für einen jungen Trachtler, der beim Almfesttag da war und vor der Hütte am Brunnen saß, war es angesichts der herrlichen Aussicht noch was Anderes: „Ein guter Schweinsbraten und den Koasa im Blick, gibt´s denn was Schöneres“, so der junge Bua. Mit der Welt ist Jakob Steiner durch das Erzählen von Vorbeikommenden, durch das Telefon und manchmal durch das Radio verbunden. Ansonsten ist er mit der Alm und mit sich allein. Auf die Frage: „Was fehlt Dir da heroben?“ gibt es schnell und glaubhaft die Antwort: „Gar nix!“. Bis zum Almende und dem dann anstehenden Almabtrieb nach Sachrang werden noch einige Vorbereitungen zu treffen sein. Almbauern und Almleute bereiten den Abtrieb und den Schmuck der Tiere gemeinschaftlich vor.

Zwischendurch werden auch wieder Freunde, Bekannte und zum Teil auch Unbekannte vorbeischauen. Bei der Schreckalm kann man –sofern der Senner nicht auf dem weiten Almgebiet unterwegs ist- Flaschengetränke und kleine Brotzeiten erhalten und sich so für den weiteren Weg stärken. Und wenn Niemand kommt oder schlechtes Wetter ist, dann genießt der Jak die Ruhe indem er verschiedene Alm-Literatur liest und den harmonisierenden Glocken des Almviehs lauscht. Wenn es sein darf, so der Jak abschließend, dann will er sich schon jetzt auf den Almsommer 2013 freuen.

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