Glück in Haus und Stall – Brauchtum am großen Frauentag

15.08.2012 10:36 von Hans Menzinger

Am 15. August wird in den bayrischen Gebieten noch ein schöner alter Brauch gepflegt, der die Achtung der Menschen vor der Schöpfung zeigt. Die Frauen sammeln Kräuter und binden diese in sogenannte Kräuterbuschen oder Weihbüschel zusammen, damit sie in der Kirche geweiht werden. Nach der Weihe werden die Büschel gut aufgehoben und teilweise an das Vieh verfüttert, oder verbrannt, vor allem im Winter in den Rauhnächten oder im Osterfeuer. Die Zusammenstellung ist je nach Region sehr unterschiedlich, was die Anzahl oder die Kräutersorten betrifft. Es ist immer eine heilige Zahl wie etwa 7, 12, 24, 72 und sogar 99 verschiedene Kräuter. Der Mittelpunkt sollte aus einer Königskerze bestehen und etwa Johanniskraut, Wermut, Beifuß, Rainfarn, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, Eisenkraut, und gelegentlich: Wiesenknopf, Kamille, Thymian, Baldrian, Odermennig, Alant, Klee und die verschiedenen Getreidearten rundherum angeordnet werden.

Diese Tradition geht auf die Marienlegende zurück, daß am dritten Tag nach dem Begräbnis Mariens die Apostel ihr Grab besuchten und statt der Maria verschiedene Heilkräuter vorfanden.

Ab Maria-Himmelfahrt sind die Kräuter angeblich besonders heilkräftig und so ist dies der Tag der Auftakt zur wichtigsten Kräutersammelzeit des Jahres, welche 30 Tage dauert und früher Frauendreißiger genannt wurden.

So trafen sich vergangenen Dienstag auch Mitglieder und Jugendliche des Heimat- und Volkstrachtenvereins „D’Würmtaler“ Menzing zum gemeinsamen Kräuterbuschen binden. Die Brauchtumswartin des Vereins Christina Eicheler erklärte Anfangs die Bedeutung dieser Tradition, sowie die Namen und Wirksamkeit der, von den jungen und älteren Trachtlern, selbst gesammelten Kräuter und Heilpflanzen. Dazu gehörte auch das Wahrnehmen der einzelnen Düfte und Geschmäcker der Kräuter. Die gebunden Kräuterbuschen wurden dann im Rahmen des Gottesdienstes an Mariä Himmelfahrt geweiht. Anschließend werden die Buschen in die Stube und den Stall gehängt, wo sich ihre aromatischen Düfte verbreiten sollen, um so die Menschen und Tiere gegen Krankheiten zu schützen.

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