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02.03.2003
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Vollblut-Volksmusikant Alois Öttl aus Antwort
Antwort Eine überaus klangvolle Lebensleistung in Antwort in der Gemeinde Bad Endorf hat Alois Öttl vollbracht. Der heute fast 74jährige hat nämlich in 40 Jahren 200 Kindern und Jugendlichen das Musizieren mit Hackbrett und Zither sowie das gemeinsame Singen beigebracht. Alle Teilnehmer der Ausbildung im Alter ab sechs Jahren waren zwischen drei und vier Jahren regelmäßig bei Alois Öttl im Haus. Und dieser gewährte seine Lehrleistung allesamt ehrenamtlich, ohne jegliches Entgelt und sogar mit der Übernahme der mit einer großzügigen Gastfreundschaft verbundenen Kosten. Dass aus den vielen Nachwuchskräften viel geworden ist, das freut den rüstigen Idealisten ganz besonders. Sieben der Schüler sind heute Musiklehrer in Waging am See, in Söllhuben oder in Taufkirchen.
Ein bei Alois Öttl angekündigter Besuch beginnt nicht wie gewohnt. Dem freundlichem Empfang an der Haustüre folgen gleich fröhliche Zither-, Gitarren- und Hackbrettweisen vom Ehepaar Öttl und von den ehemaligen Schülern Anita Amann aus Antwort und Anton Stein aus Arbing. Zwischen weiteren Weisen wie einem Schafboarischen oder dem Böbinger Walzer erzählt Alois Öttl voller Stolz und Freude über die vielfach erlebten Freuden bei der umfangreichen Arbeit. Als Zimmerer und als beim Bundesgrenzschutz Beschäftigter seinerseits und als Lehrerin seitens seiner Frau Traudlinde hatte das kinderlose Paar schon immer viel für die heimische Volksmusik und für Kinder übrig. Selbst machte der Öttl Lois seine ersten volksmusikalischen Erfahrungen dank der Anweisungen von Schorsch Schlaipfer aus Antwort im Jahr 1942. Entsprechend der kargen Kriegszeit fielen die Übungen und die Instrumente nicht so üppig aus. Aber das Vermittelte reichte aus, um sich selbst weiterzubilden. Als dann ein paar Jahre später die benachbarten Kriechbaum-Geschwister (heute Mitglieder der Bad Endorfer Musikkapelle) darum baten, zur Zither nähere Anweisungen zu bekommen, da nahm das Ganze seinen Lauf. Fortan kamen immer mehr Dirndl und Buam zu den Öttl´s, bei denen es im Haus kaum einen volkmusikfreien Abend mehr gab.
Vom Kiem Pauli bis zu eigenen Volksmusiktreffen
Für Alois Öttl war die Volksmusik mehr als nur die ehrenamtliche Weitergabe an die nachkommenden Generationen. Den Kiem Pauli kannte er noch, mit dem Fanderl Wastl kam er des öfteren zusammen und selbst machte er sich auf, in bester und überaus fleißiger Weise Botschafter der echten Volksmusik zu werden. Ungezählte Auftritte in Kirchen und Wirtsstuben kamen mit den unterschiedlichen Schüler- und Ehemaligen-Gruppen als bekannte Antworter Stubenmusi zusammen. Ganz besonders gerne erinnert sich Alois Öttl an die verschiedenen Hoagart beim Wirt in Antwort, beim Remmelberger-Wirt in Bad Endorf oder beim Wirt in Moosen. "All das waren Stätten der Volksmusik und alle drei Wirtschaften gibt es heute nicht mehr für diese Art von Veranstaltungen". Besonders bekannt waren seine Musikantentreffen mit jeweils sieben Gruppen und insgesamt rund 45 Einzelspielern, die es immer wieder schafften, miteinander zu musizieren und zu singen. Seine zeitweilige Begleitung der legendären Riederinger Sänger, Auftritte an den Wallfahrtsstätten Maria Eck und Schwarzlack, die Ausgestaltung von Bergmessen, Auftritte bei den Trachtlern sowie sympathische Gästeunterhaltung in Ising, im Priener Yachthotel oder bei der Theatergesellschaft von Bad Endorf sind weitere Beispiele des aktiven Engagements von Alois Öttl, seiner Frau und all ihren Schülerinnen und Schülern. "Fünf Stunden könnten wir ununterbrochen spielen, wenn wir all unser Repertoire hintereinander spielen würden", so Alois Öttl mit Hinweis darauf, dass es sich dabei um fast 500 Werke handelt.
Alle Erlöse immer weitergegeben
Ganz besonders stolz ist der Vollblut-Volksmusikant auf eine einmal herausgegebene Musik-CD und auf eine Cassette. Die Erlöse kamen –wie es für Öttl Gewohnheit ist- seinen Schülern zugute. Einen Teil allerdings zweigte er ab ohne dass er dabei mit seiner großen befreundeten Volksmusikantenschar Ärger bekam. Im Gegenteil: allesamt Beteiligten waren sich einig, dass man der Schwester von Alois Öttl einen anständigen Betrag spendieren sollte. Schwester Maria wirkt in der Mission und bekam mit der Spende einen Grundstock für das dann entstandene Krankenhaus in einem Armengebiet von Brasilien. Seit eine Kehlkopfkrankheit vor ein paar Jahren die Aktivitäten einschränkte, erfreut sich Alois Öttl zwar nicht mehr an den regelmäßigen Schulungstagen. Aber die ehemaligen Schülerinnen und Schüler geben sich die Türklinke in Antwort förmlich in die Hand. Aus den Schulungstagen wurden nämlich Freundschaften. Dies war ganz deutlich zu verspüren als die Eheleute Öttl im Herbst vergangenen Jahres ihre Goldene Hochzeit in Antwort und anschließend beim Förg-Wirt in Pelham feierten. Rund 60 Volksmusikanten fanden sich ein und überbrachten Ständchen, Geschenke und Glückwünsche. Dabei wurde auch ein zweites großzügiges "Daseins-Standbein" von Alois Öttl bekannt. Der emsige Imker mit seinen 50 Bienenvölkern verschenkt nämlich einen Großteil seiner vielen Zentner Honig jenen Leuten, die mit ihm und für ihn Volksmusik machen. "Verdienen muß ich nicht extra, Freude geben und damit Freude haben, das gibt mir viel mehr", so Öttl. Im übrigen feierten die Öttl´s die Goldene Hochzeit unter der bewährten Anleitung von Bad Endorfs langjährigem und verdienten Hochzeitslader Alois Rheintaler. Dieser war Alois Öttl seit der gemeinsamen Zimmerer-Lehre engstens verbunden. Und obwohl Rheintaler eigentlich schon mit dem Hochzeit-Laden aufgehört hatte, trat er wieder an. Denn, so Rheintaler, dem Öttl Alois die Goldene Hochzeit gestalten zu dürfen, das ist eine ganz besondere Ehre. Und so war es dann auch bei der Feier genau recht und richtig: Alois Öttl und seine Frau Traudlinde standen selbst einmal im Mittelpunkt und waren bestens umrahmt von dankbaren und fröhlichen Volksmusikanten.
Text/Fotos:
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Alois Öttl mit seiner Zither in seinem Volksmusik-Keller in Antwort
Alois Öttl mit seiner Zither in seinem Volksmusik-Keller in Antwort
Frau Öttl als treue Begleiterin auf dem Hackbrett
Frau Öttl als treue Begleiterin auf dem Hackbrett
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