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16.01.2012

Requiem für Gerhard Hinterbrandner


Augsburg Zum Tod von Gerhard Hinterbrandner

Am 2. Januar ist Gerhard Hinterbrandner von uns gegangen. Er wurde nur 64 Jahre alt. Bereits nach der verheerenden Diagnose Hirntumor im September 2009 war klar, dass seine Lebenszeit begrenzt sein wird. Aber er kämpfte und sprengte dabei jegliche Prognosen. Dabei hatte er neben schlechten Zeiten auch gute, die er noch nutzte, um gemeinsam mit mir einige Reisen zu unternehmen.
Die Liebe zu Heimat, Tracht und Brauchtum wurde ihm in die Wiege gelegt. Sein Großvater Hans Hinterbrandner, ein gebürtiger Schellenberger, kam berufsbedingt über Umwege nach Augsburg und engagierte sich im damals schon bestehenden Trachtenverein „Schlierseer Lechhausen“. In Zeiten, in denen die wenigsten Trachtler ein Auto hatten, musste er viele Wege bei seiner Tätigkeit für den Altbayrisch-Schwäbischen Gauverband mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. Damit er dies nicht allein tun musste, begleitete ihn Gerhard schon in frühen Jahren und wuchs so ganz selbstverständlich mit Vereins- und Gaugeschehen auf. Es war für ihn natürlich klar, dass er die Arbeit seines Großvaters weiterführen würde. Vereinsdiener, Schriftführer, Jugendleiter, 1. Vorstand war sein Werdegang im Verein. Im Gau war er Jugendvertreter, Pressewart, 2. Gauvorstand, 1. Gauvorstand. Vor genau einem Jahr wurde er zum Gauehrenvorstand ernannt. Ein großes Anliegen war ihm auch der Zusammenschluss der beiden bayerischen Trachtenverbände und seine Enttäuschung war groß, als der Landesverband in den 90-iger Jahren die Verhandlungen kurz vor dem Abschluss platzen ließ.
Gerhard war unbequem, aber gradlinig. Man wusste bei ihm immer, woran man war. Er hielt auch mit Kritik nicht hinterm Berg, wenn er es für angebracht hielt.
Sein Leben war wie eine Kerze, die von beiden Seiten angezündet wurde. Gemeinwohl stand für ihn manchmal sogar über der Familie. Das Engagement für sein Lechhausen, Jugendringsarbeit, politisch interessiert, schaffte ihm überall Anerkennung. Mehr als 30 Jahre war er ehrenamtlich in der Wohnungswirtschaft tätig, als Aufsichtsrat, Aufsichtsratsvorsitzender und geschäftsführender Vorstand einer kleinen Baugenossenschaft, die in ihren Statuten die Versorgung mit günstigem Wohnraum festgelegt hatte.
Für seinen großen Einsatz wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Er freute sich aber genauso über die Sieben-Schwaben-Medaille des Bezirks und das Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten.
Er hat aber auch seinen – manchmal fast schwarzen – Humor nie verloren. Er musste im November nochmal ins Krankenhaus. Er versorgte das Personal der Palliativstation mit den kleinen Geschichten vom Tod, die um diese Jahreszeit in der Volksmusiksendung „Am Abend in der Stubn“ zum besten gegeben wurden und auch angesichts des nahen Todes heiterte er uns mit der Bemerkung auf „Jetzt miassts warten, bis i mog“. Eines seiner letzten Anliegen war Holzhausen. Am 26. November verfasste er noch seine Anweisung für den Leichenschmaus in Gedichtform und schloss mit den Zeilen „Vergelts Gott für den letzten Gruaß und machts aus Holzhausen was mit Hand und Fuaß!“ Es war auch sein Wunsch, an Stelle von Blumen und Kränzen eine Spende an den Förderverein zu überweisen.
Er fehlt uns so! Marianne Hinterbrandner




Gerhard mit seinen Großeltern

Foto: Ruth Pösselt/Augsburger Allgemeine



Text: Marianne Hinterbrandner/Fotos: Ruth Pösselt, Augsburger Allgemeine
Gerhard mit seinen Großeltern
Gerhard mit seinen Großeltern
Gerhard mit seinen Großeltern

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