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16.08.2008

Schusterhof in Bergen in Oberbayern neue Stätte für Volksmusikförderung


Bergen in Obb. Große Freude steht den Volksmusik- und Brauchtumsfreuden in Bayern und insbesondere rund um Bergen in Oberbayern bevor. Der Schusterhof auf dem Schellenberg wird als öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts Ende diesen Jahres seinen Betrieb als Ausstellungs- und Veranstaltungshaus aufnehmen. Damit wird eine Herzensangelegenheit des 2006 im Alter von 70 Jahren plötzlich verstorbenen Andreas Mayer erfüllt.

Andreas Mayer war sein Lebtag ein Freund und Förderer der Volksmusik- und Trachtensache. In seinem ehemaligen Elternhaus, dem Schusterhof in Bergen wollte er eine Stätte zur Förderung des bayerischen Brauchtums schaffen. Seinem Vermächtnis gemäß haben sich die Familienangehörigen daran gemacht, seinen Wunsch nunmehr zu erfüllen. Anderl Mayer selbst war es leider nicht mehr vergönnt, er starb bei einem Jagdunfall am 28. August 2006 in Russland.

Zahlreiche Um- und Ausbauten waren in Abstimmung mit der Gemeinde Bergen erforderlich. Schließlich war das alte Schustergütl ein gebrechliches, sensibles Bauwerk. Im Buch „Bergener Hofgeschichten“ ist folgender Eintrag vermerkt: „1435 gehörte das Schustergütl zu den drei Häusern auf dem Schellenberg. Schuster-Leute sind bekantn seit dem 16. und 17. Jahrhundert. Die Hofname ist geblieben bis ins 20. Jahrhundert. Der letzte Bauer galt als einer, bei dem neben der Landwirtschaft Obst- und Gartenanbau und die Imkerei im Vordergrund standen. Sein Vorgänger brachte den Namen Mayer auf das Haus und war recht vielseitig: Maurermeister, Imker und Bauer“ – soweit der Eintrag im Bergner Höfebuch. Diese Vielseitigkeit ist aufgrund der schönen Obstgartenanlage und der Bienenzuchthäuschen heute noch nachvollziehbar und sichtbar sind.

Nach Bauarbeiten jetzt Stiftung gegründet

Die Abbruch-, Aufbau- und Ausbauarbeiten erforderten in den letzten zwei Jahren viel Aufwand, sind aber weitestgehend abgeschlossen. Bereits beim Abriss wurden alle erhaltenswerten Teile des Hofes (Dachziegel, Balkon, Decken u.a.) sorgfältigst ausgebaut, um sie nach Möglichkeit in den neuen Hof wieder einzubringen. Dies hat der Zimmerermeister Ludwig Entfellner aus Unterwössen mit seinen Mitarbeitern vorbildlich bewerkstelligt. Nunmehr ist inzwischen auch die Stiftung gegründet und von der Regierung von Oberbayern als gemeinnützige Stiftung anerkannt worden. Der Stiftungsvorstand besteht aus der Witwe Sylvia Mayer, Waggi Rehm aus Garmisch-Partenkirchen und Peter Mayer, dem Sohn von Andreas Mayer. Waggi Rehm als profunder Volksmusikkenner ist schon seit vielen Jahren der Familie Mayer freundschaftlich verbunden, so dass er die ehrenamtliche Aufgabe im Stiftungsvorstand gerne annahm. Stiftungs-Vorsitzender ist Peter Mayer, der den Abriss und Wiederaufbau des Schusterhofes vornahm und nun mit seiner Familie selbst so viel Zeit wie möglich dort verbringt. Bei einer ersten Besichtigung mit Waggi Rehm wenige Monate vor der geplanten Eröffnung und nach all seinen umfangreichen Bau- und Einrichtungsmaßnahmen freut sich Peter Mayer, dass der Wunsch des Vaters Wirklichkeit wird. Die Zirmstiftung Schusterhof will allen Organisation, Verbänden, Vereinen und Gruppen ein Zuhause bieten, denen die Pflege des heimischen Brauchtums ein Anliegen ist. Ob Musikkapellen, Trachtenvereine, Musikschulen oder andere Vereinigungen (wie zum Beispiel dem Landesverein für Heimatpflege oder dem Volksmusikarchiv des Bezirkes Oberbayern) – ihnen allen stehen die Räumlichkeiten zur Verfügung, wenn damit die Förderung der echten Volksmusik, der Mundart oder des Theaterspiels verbunden ist. Natürlich wollen Peter Mayer und Waggi Rehm keine Konkurrenz zu bestehenden Einrichtungen und zu ortsansässigen Gastronomen sein. Sie sehen ihr Angebot als Bereicherung und Erweiterung, wenn es um die bayerische Kulturpflege geht.

Ausstellungen, Seminare und Veranstaltungen auf drei Etagen

Auf drei Etagen bieten sich großzügige und zeitgemäß ausgestattete Räume an. Bei insgesamt 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind vielfältige Aktivitäten möglich. Zu Beginn im Advent wird Waggi Rehm als Ehrenvorsitzender des Vereins Werdenfelser Krippenfreunde eine Krippenausstellung mit besonders raren Objekten zusammenstellen. Aus privatem Kreise hat Rehm bereits die Zusage, eine wirklich einzigartige Krippe der Brüder Wagner aus Oberammergau erstmals der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Diese Krippe hat rund 12 Quadratmeter und 180 Figuren und sie wird ganzjärhig für zunächst 15 Jahre auf dem Hof ausgestellt sein. Zur Eröffnung des Schusterhofes wird darüber hinaus mit einer Wastl-Fanderl-Gedächtnisausstellung an den großartigen Volksmusikförderer, der in Bergen geboren war, erinnert. Ideal ist der Schusterhof auch für Seminare zum Thema Volksmusik und Brauchtumspflege. Verschiedene Räume bieten flexible Abläufe an. Im Hause stehen auch fünf Gäste-Zimmer zur Verfügung. „Weitere Übernachtungsmöglichkeiten bestehen bei uns in der direkten Nachbarschaft und in Bergen selbst“, so Peter Mayer, der mit besonderem Stolz die über 200 Quadratmeter große Tenne zeigt. „Dieser Raum mit seinem einzigartigen Gebälk wurde von meinem Urgroßvater handwerklich geschickt erstellt und im Rahmen des Wiederaufbaus von Ludwig Entfellner Stück für Stück abgetragen, nummeriert und wieder eingebaut. Es war für mich eine Selbstverständlichkeit, dieses Meisterwerk, von unseren Vorfahren geschaffen, der Nachwelt zu erhalten. Bei Veranstaltungen können wir bequem und mit besonderer Atmosphäre bis zu 160 Personen unterbringen“, ergänzt Peter Mayer. Waggi Rehm, der zehn Jahre Sänger- und Musikwart beim Bayerischen Trachtenverband war, sieht in der ersten Ausstellung im Advent mit Themen zum christlichen Weihnachts-Brauchtum einen passenden Anfang. Natürlich können noch Vorschläge aus den Reihen der Bevölkerung in die Ausstellungs- und Veranstaltungs-Inhalte einfließen, was sogar sehr erwünscht ist. Peter Mayer, der ein von seinem Vater gegründetes Rechenzentrum in München leitet, will im Sinne seines Vaters mit der Stiftung die Heimat- und Bodenverbundenheit seiner Familie zum Ausdruck bringen. Schon seit Vater sagte immer, dass die Kulturpflege keine Angelegenheit für Flachwurzler ist, die bekanntlich schnell vom Wind umgeworfen werden. „Für Tief-Wurzler, also für Menschen, die ihre Wurzeln tief im Boden unserer Kultur verankert haben, ist der Schusterhof gedacht“, so Peter Mayer. Für Waggi Rehm bietet der Schusterhof die Chance, dem Zeitgeist etwas entgegenzusetzen. „Heutzutage wird zu schnell allem Neuen nachgegeben. Konservatismus ist in diesem Falle sehr wertvoll, weil er schafft Festigkeit für das Brauchtum und das Leben“, so Waggi Rehm im Sinne des Stifters Andreas Mayer. Auch für den Landesvorsitzenden Otto Dufter aus Unterwössen vom Bayerischen Trachtenverband bedeutet die Stiftung für die Volksmusik- und Brauchtumspflege sehr viel. „Mit diesen Räumlichkeiten können sich unterschiedliche Gruppierungen, Firmen und Vereine mit heimatlichen Aufgaben beschäftigen, ein Segen für Bergen und die gesamte oberbayerische Region“, so Dufter. Bereits jetzt sind die baulichen Maßnahmen so weit abgeschlossen, dass Stil und Atmosphäre der zukünftigen Ereignisse im Schusterhof erkennbar sind. Prägend sollen vor allem dauerhafte Ausstellungsstücke wie Musikinstrumente, Handwerkszeug und bäuerliche Gerätschaften werden. Jadgtrophäen und Jagdbilder zieren die Fluren und Räume und erinnern daran, dass Andreas Mayer nicht nur ein Freund der Volksmusik und Trachten, sondern auch der Jagd war. Von seiner letzten Jagd kehrte er allerdings nicht mehr lebend zurück, so dass seine Zukunftsvorstellungen vom Schusterhof nunmehr von seiner Familie und von Waggi Rehm in die Tat umgesetzt werden.
Anton Hötzelsperger

Foto/s: Hötzelsperger
- Peter Mayer und Waggi Rehm im und am Schusterhaus
- Eindrücke vom Schusterhaus

Weitere Informationen:
Peter Mayer, Tel. 089-29192922 oder 08171-488100 oder 0170-4813666
Waggi Rehm, Tel. 08821-53569 oder 0151-17348019
www.schusterhof.org


Für Spendenwillige
Alle Spenden werden zu 100 Prozent für die Stiftungszwecke genutzt. Das Spendenkonto hat die Nummer 8800, BLZ 71090000 (Volks-Raiffeisenbank Oberbayern).


Text/Fotos:
Peter Mayer und Waggi Rehm
Peter Mayer und Waggi Rehm
Peter Mayer und Waggi Rehm

Veranstaltungstenne
Veranstaltungstenne
Veranstaltungstenne

Ausstellungsraum
Ausstellungsraum
Ausstellungsraum

Blick vom Balkon auf den Garten
Blick vom Balkon auf den Garten
Blick vom Balkon auf den Garten

Der Schusterhof
Der Schusterhof
Der Schusterhof

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