Historische Tracht

Trachtenpaar aus dem ChiemgauDer Bayerische Trachtenverband ruft das "Jahr der G'wandkultur" aus

Vielfältig wie sie sind, sind sie auch in ihrer Bedeutung: die Tracht und das G´wand. So wie sie das Bild der Menschen in Bayern prägen, so wichtig sind sie seit eh und jeh für die Trachtenbewegung in Bayern. 1883, also vor 125 Jahren, war das in Gefahr befindliche Trachteng´wand Auslöser und Anlass für die Gründung eines ersten bayerischen Trachtenvereins. Heute findet die Tracht in den fast 1.000 Heimat- und Volkstrachtenvereinen in 25 Gauverbänden und innerhalb des Bayerischen Trachtenverbandes höchste Anerkennung. Der Bayerische Trachtenverband hat deshalb zu seinem Jubiläum ein „Jahr der G´wandkultur 2008“ ausgerufen.
Peter Eicher, Gauvorstand des Gauverbandes I mit 118 Mitgliedsvereinen hat sich mit einer Schar von Frauen und Männern zusammengetan, um das „G´wand“ ins rechte Licht zu rücken. Das Sachgebiet Trachtenpflege und Trachtenforschung unter der Leitung von Edda Hutter und Christine Thieme sowie mit Rosemarie Henke und weiteren Ehrenamtlichen aus den verschiedenen Gaugebieten trafen sich schon mehrfach am Irschenberg, um sich näher auszutauschen.

Oberpfälzer Trach
„Bayern hat eine ausgeprägte Kultur, die aus der Mentalität, aus den Gefühlen, der Landschaft, der Lebensart und aus dem christlichen Glauben entstanden ist – und unser G´wand ist das äussere Zeichen dieser, unserer Einstellung“, erklärte eingangs der Besprechung Peter Eicher, der weiter ausführte: „Kultur dürfen wir nicht aufweichen und verwässern, sonst bleibt in 30 bis 40 Jahren nichts mehr übrig. Im übrigen war Mode mit seinen Veränderungen immer schon vorhanden, 1883 wirkte der Erhalt der Tracht durch Vereinsgründung der Mode entgegen. Bis heute hat sich die Zeit nicht geändert, nur der Mensch verändert die Zeit und die Medien tun ihr Übriges“.
Fränkische Trachtler „Nicht eignat, sondern selbstbewusst sein“

Nach Meinung der Mitglieder des Arbeitskreises zum „Jahr der G´wandkultur“ fehlt es den Leuten oft am nötigen Heimat- und Selbstbewusstein, nicht selten hört man beim Anblick eines Trachtlers, dass dieser „oidfaderisch“ oder „eignat“ ist. Zu schnell und zu oft lässt man sich vereinnahmen, was übern großen Teich von Amerika kommt. Sprache, Musik, Liedgut und Kleidung sind davon betroffen, obgleich wir unsere eigene, reiche Kultur haben. Deshalb sind die Trachtenvereine da und aufgefordert, unser Kulturgut zu erhalten und dies als ihre Aufgabe anzusehen. „Nicht Mit-Schwimmen, sondern eigenständig Handeln“, soll nach Peter Eicher das Motto sein.

Arbeits-, Alltags- und Festtags-G´wand

Warum nun das Jahr der G´wandkultur? Peter Eicher gibt gleich selbst die Antwort indem er sagt: „Weil viele nur die Vereinstracht haben und die wird nur angezogen, wenn der Verein ruft. Aber die Tracht ist mehr, sie hat sich entwickelt vom Arbeits- und Alltags- bis zum Festtagsg´wand. Die Tracht ist nur durch die Trachtenvereine salonfähig geworden, mit dem Festg´wand kann jeder Trachtler jede noch so hochkarätige Veranstaltung besuchen“.
Eine große Aufgabe und wichtige Funktion haben die Trachtenwarte in den Vereinen und Gauverbänden. Für jeden Anlaß gibt es das richtige G´wand, da sind nicht nur Vielfalt, sondern manchmal auch Beratungen gefragt. Man denke nur an Hochzeiten, Familienfest, Kommunion, Firmung, Freisprechung, Schulabschluss, Jahrgangstreffen, Plattlerprobe, Ausschuss-Sitzung und weitere Gelegenheiten im Alltag.
Hohe Feiertage, jeder Sonntag und jede Jahreszeit geben Gelegenheit, ein gutes, schönes und persönliches Trachten-G´wand anzuziehen. Sorgfalt sollte auch bei der Haartracht walten, denn diese ziert nicht nur die Vereinstracht. So passt – zum Beispiel - eine so genannte Gretlfrisur auch zu einem Dirndlg´wand. Beachtenswerte Unterschiede gibt es auch bei der Lederhose. „Lederhose ist nicht gleich Lederhose“ – sagt Peter Eicher. So unterscheidet sich eine Hirschlederhose mit grüner Blattstickerei von einer Lapona-Hose, die in erster Linie für aktive Plattler gedacht ist. Für Peter Eicher und seinen Arbeitskreis ist es wichtig, dass man vor lauter Kreativität beim Trachteng´wand nicht abgleitet in Landhausmode, die ihrerseits wieder zu Kitsch und Krampf (Oktoberfest) führen kann. Das „Jahr der G´wandkultur“ ist ein Appell an jeden Tracht- und G´wandträger, sich Gedanken über sein Äusseres zu machen. Besonders gefordert sind Vereinsvorstände und Vorstandschaftsmitglieder, denn sie haben eine bedeutende Vorbildfunktion. „Viele wissen unser G´wand nicht zu schätzen und sie unterschätzen, dass es was Wertvolles, Zeitloses und Bodenständiges ist. Tragen wir es deshalb mit Stolz und Selbstbewusstsein zur Freude der Betrachter, aber auch zur ganz eigenen Freude“, so Peter Eicher.

Anton Hötzelsperger

Foto/s: Bayerischer Trachtenverband

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Bayerischer Trachtenverband e.V., Arbeitskreis "G'wandkultur", Peter Eicher (Tel. 08665 / 7678)