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Vereinsgeschichte des GTEV "D'Achentaler" Unterwössen.
Bereits im Herbst 1890 fanden in den Wirts- und Bauernstuben Unterwössens die er-sten Aktivitäten junger Burschen zur Gründung des Unterwössner Trachtenvereins statt.
Die Vereinsgründung erfolgte dann am 21. März 1891 mit dem Namen "D'Achentaler" Unterwössen beim Schaffererwirt (später Gasthof Post, der 1995 abgebrannt ist). Gründungsvorstand war Stefan Entfellner, Oberwössen - Einnehmer (Kassier) Hanns Mayer, Unterwössen - Vorplattler Josef Meth, Unterwössen - Ersatzmann Andreas Pertl, Oberwössen. Die "Achentaler Unterwössen" sind der zweitälteste Verein im Chiemgau-Alpenverband.
Der junge Verein war sehr rührig, wie aus einem Bericht des Traunsteiner Wochenblattes vom 9.4.1891 hervorging. Am 24.6. 1891 erfolgte der Beitritt zum Gauverband I, dem damals einzigen Verband, in dem die bereits bestehenden Trachtenvereine zusammengeschlossen waren. Im gleichen Jahr nahm der Verein am Stiftungsfest bei GTEV Endorf teil.
Durch den Wegzug des Gründungsvorstandes und einiger anderer Gründungsmitglieder gestalteten sich die Anfangsjahre des Vereins sehr schwierig. Nach einer Mitteilung des Bürgermeisters an das Bezirksamt Traunstein hat der Verein jedoch weiter bestanden. Bereits im Jahre 1896 waren die Schwierigkeiten überwunden: die erste Vereinsfahne konnte im Mai 1897 geweiht werden. Stifter war Ludwig Lugscheider, Wirt vom Schafferer. Der GTEV "Hochgern" Staudach, der der erste Verein im Achental und Umgebung mit einer geweihten Fahne war, machte unseren Göd.
Ein Jahr danach, 1898 übernahmen die "Achentaler" die erste Patenschaft bei der Fahnenweihe der "Birkenstoaner" München - wahrscheinlich durch Vermittlung unseres ersten Vorstandes Stefan Entfellner, der aus beruflichen Gründen nach München zog.
Weitere Patenschaften wurden übernommen: 1900 und 1959 beim GTEV Siegsdorf, 1902 beim GTEV Untersberg Berchtesgaden, 1911 und 2001 beim GTEV "Dö Koasawinkla" Reit im Winkl, 1921 und 1952 beim GTEV "D'Rechlberger" Oberwössen, 1924 beim GTEV "D'Gamsgebirgler" Schleching und 1924 beim GTEV "D'Buchwäldler" Übersee.
Die erste Vereinssatzung wurde im Januar 1900 als "Vorschriften des Oberbayerischen Gebirgstrachten Vereins Unterwössen" erstellt.
Vier Jahre später schon richtete der Verein am 28.7.1901 das 11. Gaufest des Gaues I der oberbayerischen Gebirgstrachtenvereine aus. Die Einladung dazu unterzeichnete für den Gauverband I der damalige 1. Gauvorstand Franz Xaver Huber und für den Ortsverein 1. Vorstand Philipp Nieß. Trotz der schlechten Verkehrsmöglichkeiten zu damaliger Zeit fuhr man auch zu Trachtenfesten in die weitere Umgebung. 1906 errangen die Unterwössner in Oberammergau den 1. Preis beim Platteln; eine Standarte war der Siegerpreis.
1911 wurde in unserem Dorf das letzte Mal das historische Seeräuberspiel aufgeführt. Wie man aus alten Berichten weiß, war damals das ganze Dorf daran beteiligt und bestimmt auch die jungen Burschen und Dirndln des Vereins. Am Faschingswochenende 2001 wird das Seeräuberspiel wieder aufgeführt, Anfang der zwanziger Jahre war man sehr festfreudig: so wurde im Mai 1921 das 30-jährige Gründungsjubiläum und im August 1922 das 25-jährige Fahnenweihejubiläum gefeiert. Zu dieser Zeit ist unser Verein bei den Schlechingern, Überseern und Ober-wössenern bei deren Fahnenweihe Pate gestanden.
Nachdem nun im Achental mehrere Trachtenvereine gegründet worden sind und der Gauverband I eine Größenordnung erreicht hatte, die in der gebietsmäßigen Erfassung die Vereine nicht mehr befriedigte - und auch durch Differenzen mit dem damaligen Gauvorstand Thomas Bacher - trat unser Verein am 8.7.1926 aus diesem Verband aus. Daraufhin wurde am 25.7.1926 beim Hofwirt in Marquartstein der Chiemgau-Alpenverband für Tracht und Sitte gegründet. Der Anstoß zur Gründung des neuen Verbandes ging unter anderem maßgeblich vom Unterwössner Verein, insbesondere vom damaligen Vorstand Matthias Murr aus; die Gründungssitzung fand beim Schafferer-Wirt in Unterwössen statt. Ein weiterer Initiator war Matthias Schrobenhauser, ein geborener Wössner, langjähriger Vorstand unseres Vereins und nun Gründungsvorstand des neuen Verbandes. Sitz der Chiemgau-Alpenverbandes ist Marquartstein. Beim Gründungsfest des neuen Verbandes in Marquartstein erhielt unser Verein den ersten Meistpreis. Bemerkenswert ist auch, daß am 15.5.1927 in Unterwössen das erste Gruppen- und Einzelplatteln des Gaues durchgeführt wurde.
1929 war unser Verein der Ausrichter des 4. Gaufestes. Bereits im Jahre 1931 übernahm unser Verein kurzfristig das an Schleching vergebene Gaufest; der Grund der Schlechinger Absage konnte nicht ermittelt werden. Mit dem Gaufest 1931 wurde auch unsere zweite Vereinsfahne geweiht, die von den Motiven her die gleiche Ausführung wie die erste Fahne von 1897 ist. Die jungen aktiven Trachtler und die Vereinsmitglieder haben für die Beschaffung der Fahne große Opfer gebracht; so wurden bei den Plattlerproben und Almtänzen auch von den Aktiven 50 Pfennig freiwillig in die Fahnenkasse gegeben. Der Preis der Fahne war 840 Reichsmark.
Im 3. Reich wurde der Verein in "KdF - Trachtengemeinschaft D'Achentaler Unterwössen" umbenannt und zu Auftritten bei den KdF-Abenden bis zu dreimal in der Woche verpflichtet.
Der 2. Weltkrieg hinterließ auch bei den "Achentalern" große Lücken - auch der damaligen 1. Vorstand Otto Dufter blieb fern der Heimat verschollen. Ab 1940 ist die Vereinstätigkeit infolge des Krieges gänzlich erloschen. Viele Vereinskameraden konnten in ihre Wössner Heimat nicht mehr zurückkommen und ruhen in fremder Erd.
1946 nahmen die daheim gebliebenen und aus Krieg und Gefangenschaft zurückgekehrten Vereinsmitglieder die Vereinstätigkeit erneut auf. Vor allem galt es nun, die Jugend wieder für die Trachtensache zu begeistern und sie die alten Plattler und Tänze zu lehren. In dieser Zeit, 1947, begann man auch mit den Almtänzen.
Im August 1952 feierte man das 60-jährige Gründungsfest, zeitlich um ein Jahr verschoben wegen des 25-jährigen Gaujubiläums in Marquartstein. Der Festgottesdienst war am Achentalbichl, das Festzelt stand am jetzigen Standort des Rathauses, Festwirt war Hans Blösl, Daxenberg - Protektor Freiherr von Cramer-Klett - Festleiter Sepp Schlagbauer - Vorstand Sepp Dambacher - Vorplattler Max Auracher - Festmusik Musikkapelle Wössen unter der Leitung von Simon Ager. Beim Festabend wurde von den Aktiven erstmals der Sterntanz aufgeführt. Die älteren Vereinsmitglieder tanzten damals Chiemgauer Volkstänze, die Theaterabteilung spielte einen Einakter.
Zwischen 1952 bis 1962 wechselten die Vorstände sehr häufig. 1962 wurde Otto Dufter zum Vorstand gewählt, was er bis 1992 blieb; zum 1. Vorstand des Chiemgau-Alpenverbandes wurde er 1977 berufen. Dieses Amt gab er 1994 ab, nachdem er an die Spitze des Bayerischen Trachtenverbandes e.V. gewählt wurde.
Das 75-jährige Vereinsjubiläum 1966 wurde zu einem großartigen Beweis des guten Zusammenhaltens im Verein und im Ort. Dabei trat die neu gegründete Kindergruppe unter der Leitung von Siegfried Bichler sen. erstmalig auf. Der Festgottesdienst war wieder auf dem Achentalbichl. Das Festzelt stand auf der Posthalterwiese hinter dem Gasthof Bräu; Festwirt war Rudolf Ammer, Schirmherr Landrat Sepp Kiene, Festleiter Sepp Schlagbauer und Jakob Schmid, Vorstand Otto Dufter, Vorplattler Sepp Gasteiger, Festmusik Musikkapelle Wössen unter Leitung von Hans Schlagbauer. Am Nachmittag nahmen am Festzug 32 Vereine, 13 Musikkapellen und 7 Festwagen teil.
Beim 85-jährigen Gründungsfest 1976 wurde unsere dritte Vereinsfahne geweiht. Unsere erste Fahne von 1897 war im Laufe der Jahre derart brüchig geworden, daß man sie nur noch als Ausstellungsstück verwenden kann. Sie wird nunmehr auf dem Marterlwagen mitgeführt, für dessen Gestaltung der damalige 2. Vorstand Sepp Blösl bis heute verantwortlich ist.
Im gleichen Jahr wurde die Historische Trachtengruppe als Gruppe im Wössner Trachtenverein gegründet. Sie trägt die Volkstracht aus der Zeit vor der Gründung der Trachtenvereine. Als zusätzliches Ziel hat sich die Gruppe die Erhaltung des Volkstanzes gewählt.
Schon um die Jahrhundertwende wurde in Wössen Theater gespielt. 1981 erfolgte die Wiedergründung der Theatergruppe als Abteilung des Trachtenvereins. Haupt-sächlich werden bodenständige Stückl aufgeführt.
Zusammen mit der Musikkapelle Wössen, die 1896 ihr 75-jähriges Bestehen feierte und anläßlich des 10-jährigen Bestehens der Historischen Gruppe übernahm der Verein das 3. Treffen Historischer Trachten in Oberbayern. Dies war ein farbenfrohes Fest mit 19 historischen Gruppen. Der Festgottesdienst wurde am Bichlhof gefeiert.
1991 dann das 100-jährige Vereinsjubiläum mit großer Beteiligung sowohl der Vereine des Verbandes als auch befreundeter Vereine. Die Festwoche wurde nur mit brauchtumsgemäßen Gruppen abgehalten. Hervorzuheben ist, daß beim 100-jährigen Fest die "Achentaler" als mit einer der ersten Vereine einen Volksmusik-abend im Bierzelt veranstaltet haben. Schirmherr Landrat Jakob Strobl, Festleiter Ludwig Entfellner, Vorstand Otto Dufter, Ehrenvorstand Sepp Reichgruber, Vorplattler Bernhard Nieß, Festmusik Musikkapelle Wössen unter Andreas Bichler.
Seit 1992 ist Ludwig Entfellner der erste Vorstand der "Achentaler".
Die neue Vereinssatzung wurde im März 1994 errichtet. Im Juli 1994 erfolgte die Eintragung im Vereinsregister beim Amtsgericht Traunstein als "e.V.".
Nachdem im Verband für 1998 kein Ausrichter für das Gaufest ausfindig gemacht werden konnte, sind die Achentaler kurzfristig eingesprungen. Trotz der verkürzten Festwoche waren die Veranstaltungen als hochwertig einzustufen. Besonders der Festsonntag mit dem feierlichen Gottesdienst am Musikpavillon und dem eindrucksvolles Festzug vermittelte ein großartiges Bild unserer Trachtenbewegung. Schirmherr war 1. Bürgermeister Hans Haslreiter, Vorstand Ludwig Entfellner, Ehrenvorstand Otto Dufter, Vorplattler Martin Blösl, Festmusik Musikkapelle Wössen unter der Leitung von Andreas Bichler.
Der Verein umfaßt derzeit 509 Mitglieder, davon 224 aktive, 117 Ehren- und 168 passive Mitglieder. Er besteht aus mehreren Gruppierungen, die das Ortsleben aktiv gestalten: die Kinder- und Jugendgruppe, die aktiven Buam und Dirndl (ab 16 Jahren), die Historische Gruppe mit eigener Tanzgruppe, die Theatergruppe, die Röckefrauen, die Mannerleut und verschiedene Musik- und Gesangsgruppen sind in das Vereinsle-ben und das Dorf mit eingebunden. Die für unsere Vereinszukunft sicherlich wichtigste Gruppierung ist unsere Kinder- und Jugendgruppe. Das Erlernen von Dirndldrahn und Schuhplatteln, sowie das Einstudieren der ersten Trachten- und Volkstänze ist hier das Ziel.
Die Tracht der "Achentaler Unterwössen" besteht bei den Männern aus dem forstgrünen Anzug oder der kurzen bestickten Lederhose mit grünem Samthut und Gamsbart als Hutschmuck.
Bei den Frauen hat sich das Röcke mit hellblauer Vereinsschürze, goldbesticktem weißem Einstecktuch mit schwarzem Quastenhut durchgesetzt.
Eine Bereicherung der örtlichen Tracht stellt die Historische Gruppe dar, die sich an den vielfältigen und farbenfrohen Trachten des 19. Jahrhunderts orientiert.
Unser Trachtenverein ist stets bemüht, sich am dörflichen Geschehen, sei es bei kirchlichen oder bei weltlichen Anlässen zu beteiligen und trägt damit nach Kräften bei, den "guten alten Brauch" zu erhalten. |
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