Stroh-Pfingstl in Waffenbrunn

Personenanzahl: 1 bis beliebig

Zeitlicher Aufwand: wenig

Ursprung

In vielen Bayerwaldorten gelebter Brauch.

Die Burschen des Trachtenvereins (1926 gegründet) pflegen diesen Brauch bereits seit 1929, nachdem damals beschlossen wurde, diese Traditionspflege in die Hände des örtlichen Trachtenvereins zu legen.

Kurzbeschreibung

Hier in Waffenbrunn, wie auch noch in anderen Bayerwaldorten, heute noch der Pfingst´l um. In Waffenbrunn verkörpert er mit seinem Strohkleid das sterbende, vergehende Jahr.

 

Früher war der Strohpfingst´l überall zugange neben den Pfingstl´n aus Tannengrün oder grünen Laub. Sie standen im Wettstreit miteinander, denn der Pfingst´l aus Tannengrün oder grünem Laub steht für das einsetzende Wachstum, das Frühjahr und das wiederbeginnende, gute Jahr. Aus diesem Kampf der Pfingst´l ging stets das Frühjahr als Sieger hervor.

 

Leider ist dieser alte Wettkampf fast nirgendwo mehr zu erkennen, denn es gibt fast keine Strohpfingst´l mehr, was wohl auch daran liegen könnte, dass solch langes Stroh eigentlich nirgends mehr gefunden werden kann und es eine Heidenarbeit macht, das Stroh zu beschaffen und das Gewand fachgerecht zusammen zu binden.

 

Gleich nach dem Festgottesdienst am Pfingstsonntag und auch am Pfingstmontag sind sieben junge Burschen nur darauf bedacht, möglichst als erste zur Ausstaffierung zu kommen, die meist im Hof des Wirtes erfolgt. Keiner will zuletzt kommen, denn er muss den Spott der anderen fürchten, als "Pfingstochs" aufgezogen zu werden. Das erinnert an den Auftrieb des Viehs zur Weide.

 

Bis auf einen Burschen glänzen all in der besten Festtagstracht der Waidler, mit einer dunkelroten Weste, an der Silberknöpfe blinken und einer schwarzen Kniebundhose oder Lederhose. Schneeweiß sind Hemd und Strümpfe. Ein flacher, schwarzer Krempenhut, geschmückt mit einer an einer schwarzen Kordel hängenden Quaste, darf nicht fehlen.

 

Die sechs Burschen begleiten als Knechte (der Schadenfroh - der Mistfaul - der Langsam - der Kochlöffelstiel - der Z´fressene - der Hugerdurst) Ihren Herren, den Pfingst´l! Alle Knechte tragen ein kleines Maibäumchen mit die sog. "Pfingst-Gartn". Diese mit allerlei bunten, flatternden Bändchen geschmückte "Pfingst-Gartn" wird schon vorher von den Trachtlern vorbereitet. Es werden kleine, schön gewachsene Fichten geschält und deren Äste im Bogen an das Stämmchen gebunden. Ohne diese schöne "Pfingst-Gartn" die die Burschen stolz durch den Ort tragen, wäre eine echte waidlerische Maifreude auch schlecht denkbar! Zwei Knechte führen an einem quer getragenen Stecken den blinden Pfingst´l Ein weiterer Knecht trägt noch einen großen Weidenkorb bei sich, in dem dann später eier, die Leckereien und der Geldbeutel mitgetragen werden. Der siebte Bursch muss als Pfingst´l unter ein aus langen Strohhalmen gebundenen Strohgewand schlüpfen. Sogar der Kopf des Pfingst´l ist ganz eingehüllt und obwohl das Stroh im Gesichtsbereich etwas dünner gebunden wurde, so sieht der Bursche nur sehr wenig. Auf dem Kopf trägt der Stroh-Pfingst´l ein kleines grünes Fichtenbäumchen, dass ebenfalls mit hübschen bunten Bändern verziert ist.

 

So ausstaffiert beginnt der Umzug der Stroh-Pfingst´l-Gruppe durch das Dorf. Alle Augen wendn sich der geheimnisvollen Schar zu und die Bewohner der Häuser freuen sich schon auf den willkommenen Besuch. "Alleluja, Alleluja, unser Herr Pfingst´l seine Knechten ....". So beginnt der scherzhafte Pfingst´l spruch, in dem Sie, "die Bewahrer alles Herkömmlichen", sich selbst aufziehen und um Eier wie eine kleine Spende für ein gemeinsames Mahl bitten. Damit verbunden ist ein Segenswunsch, "dass man sich im nächsten Jahr in Freuden wiedersehen möge". Anstelle der einst symbolischen Opfergabe für das Blühen und Gedeihen, trat dies Ersatzsitte. "Hab Dank, hab Dank ihr Herren und Frauen, wir müssen heut noch weiterschauen ...."., heißt es zum Schluss wenn die Gaben im Korb untergebracht sind.

 

Und so ziehen Sie dann von Haus zu Haus am Pfingstsonntag und am Pfingstmontag. Die Eier und die Leckereien teilen sich die Burschen dann gerecht unter sich auf. Das gespendete Geld kommt nach dem Kauf einer gehörigen Brotzeit in die Jugendkasse des Trachtenvereins und trägt somit im übertragenen Sinne auch zum stetigen Wachstum und Gedeihen einer guten waidlerischen Trachtenjugendarbeit bei.

 

Ein Glück ja bloß, dass die Burschen nimma mit einem kalten Wasserguss, der früher immer allgemein üblich war, von den Leuten bedacht werden. Es besteht heute auch keine Gefahr mehr, dass der Pfingst´l oder "Wassermann" oder "Wasservogel" oder wie er sonst in diesen Fällen auch immer genannt wird, kurzerhand in einen Bach geworfen wird. um ein erfrischendes "Pfingstbad" zu nehmen. Dies war früher ein zusätzlicher Brauch zur Abwendung eines dürren Sommers und einer damit verbundenen schlechten Ernte, aber auch zu Erlangung eines erwünschten Landregens.

 

Der Waffenbrunner Pfingst´l-Spruch!

 Alleluja, Alleluja, der Herr Pfingst´l ist da!

Da geht der Herr Pfingst´l von Haus zu Haus -

da schau´n alle Leute zum Fenster heraus.

 

Und moana, mia san ma die Recht´n -

daweil san ma dem Pfingst´l sei´ Knecht´n.

 

Der Erste is da Schadnfroh, geht in Stadl und schneids´ Stroh.

 

Der Zweite is da Langsam, geht in Stadl und kirt s´Gsodh z´samm.

 

Der Dritte ist da Maistfaul, geht in Stall und mist sein Gaul.

 

Der Vierte ist da Kochlöffelstiel, wo er geht und steht frisst er z´viel.

 

Der Fünfte is da Z´fressn, hat an Löffl im Maul vergessen.

 

Der Sechste is da Hungerdurst, geht in d´Kuchl und brat sich a Wurst.

 

Der Siebte is da Pfingstl.

 

Wir woll´n den Pfingstl schwinga und prell´n -

und woll´n eahm a kloans Haferl neistell´n.

 

Drei Schlüssl werden klinga -

drei Batzn werden springa.

 

Secha und Sieben is unser Ziel -

hurra, Bäurin - Geld oder Eier her!

 

Habt Dank, habt Dank, ihr Herren und Frauen -

wir müssen heut´ noch weiter schau´n.

 

Wir müssen heut´ noch weitersingen -

uns nächstes Jahr in Freuden finden.

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